Gefährliche Waffenhilfe für Somalia
- Kämpfer in der somalischen Hauptstadt Mogadischu | © AP
Seit bald zwanzig Jahren tobt im ostafrikanischen Somalia an vielen Fronten ein unaufhaltsamer Bürgerkrieg zwischen verfeindeten Clans, Kriegsherren und Milizen.
Nach dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 versank das Land in unübersichtlichen Kriegswirren, und Somalias Landesteile entwickelten sich, auch wegen externer Eingriffe zum Beispiel durch Äthiopien, unterschiedlich. Seit 2009 steht der gemässigte Islamist Sharif Sheikh Ahmed an der Spitze einer schwachen Übergangsregierung, die von radikalen Islamisten bekämpft wird, welche grösstenteils Süd- und Zentralsomalia kontrollieren. Unter den Kriegswirren leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Die Berichte über verheerende Menschenrechtsverletzungen gegen Zivilpersonen reissen nicht ab.
Immer wieder ist die Rede von Morden, Folterungen und Vergewaltigungen. Eine somalische Mutter, die in der Region nahe der Hauptstadt Mogadischu fliehen musste, berichtet: «Wir wurden heftig beschossen. Von meinen acht Kindern wurden drei während der Kämpfe getötet.» Der jüngste Angriff auf die Zivilbevölkerung geschah in Zentral-Somalia, wo Berichten zufolge 14000 Menschen fliehen mussten. In Somalia spielt sich eine der schlimmsten humanitären Katastrophen der Welt ab, mit 1,5 Millionen vertriebenen Menschen und 560000 Flüchtlingen in den umliegenden Ländern.
Das grösste Problem sind die Waffen. Obwohl die Vereinten Nationen bereits 1992 ein Embargo für Waffenlieferungen über das Land verhängten, wird es laufend gebrochen und Somalia geradezu mit Waffen überschwemmt. In den letzten drei Jahren hat die Zivilbevölkerung nicht nur unter aufständischen Extremisten gelitten, sondern auch unter den Truppen der Übergangsregierung.
Seit Mai letzten Jahres unterstützen die USA offiziell die Übergangsregierung in Mogadischu mit Waffen wie Granatwerfern, Granaten und weiterer Munition. Ausserdem schickte Washington Geld in Höhe von zwei Millionen US-Dollar in die Hauptstadt, mit dem sich die Machthaber Waffen auf dem lokalen Markt beschaffen sollen. Bis Ende diesen Jahres wollen die USA und Europa ausserdem 6000 somalische Soldaten und 10000 Polizisten ausbilden. Rund 214 Millionen US-Dollar haben die Geberländer dafür bewilligt. Es wurde jedoch erst ein Teil davon gezahlt.
Die westlichen Waffenlieferungen sollen helfen, die schwache und von allen Seiten bedrängte Übergangsregierung, die nicht einmal alle Quartiere der Hauptstadt kontrollieren kann, im Sattel zu halten. Die Geberländer beziehen sich dabei auf Ausnahmebestimmungen, die das Uno-Waffenembargo vorsieht. Amnesty International kritisiert jedoch, dass die westliche Waffenhilfe das Embargo laufend unterwandert, weil keinerlei Sicherheitsvorschriften beziehungsweise eine strikte Meldepflicht gegenüber der Uno eingehalten werden.
Es gibt keine Kontrolle darüber, wie und wo die Waffen eingesetzt werden, damit sie nicht gegen die Zivilbevölkerung gerichtet werden oder in die Hände von Aufständischen gelangen. Dennoch halten die Geberländer an den Lieferungen fest. Amnesty International fordert, die Waffenlieferungen solange zu stoppen, bis verlässliche Kontrollen eingesetzt sind, damit die Waffen nicht für Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen missbraucht werden können.
Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Februar 2010
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion

