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Doppelt traumatisiert: Mädchen, sexuelle Gewalt und das Abtreibungsverbot in Nicaragua

Schmetterlinge nach Nicaragua!

Sexuelle Übergriffe und Gewalt durch männliche Familienangehörige sind für erschreckend viele Mädchen in Nicaragua trauriger Alltag. Noch schlimmer wird es, wenn sie davon schwanger werden – denn in Nicaragua sind Schwangerschaftsabbrüche seit 2008 auch nach Inzest verboten. Amnesty International fordert Massnahmen zum Schutz der Mädchen und die Wiederzulassung therapeutischer Abtreibungen.

Fast die Hälfte der Opfer von Vergewaltigungen in Nicaragua sind noch keine 14 Jahre alt. Entsprechend ist Nicaragua auch das Land mit der höchsten Zahl von Teenager-Schwangerschaften in Lateinamerika und der Karibik: Rund jede vierte Gebärende ist zwischen 15  und 19 Jahre alt. Mehr zum Thema sexuelle Gewalt an Mädchen in Nicaragua.

Im Jahr 2008 hat Nicaragua ein Gesetz eingeführt, das Schwangerschaftsabbrüche unter allen Umständen unter Strafe stellt – auch wenn die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung entstanden ist, und selbst dann, wenn die Schwangere schwer krank oder sogar in Lebensgefahr ist. Wenn Mädchen oder Frauen eine Schwangerschaft trotzdem abbrechen, geschieht dies oft unter prekärsten Umständen, und sie riskieren damit nicht nur strafrechtliche Sanktionen, sondern auch ihre Gesundheit, ja sogar ihr Leben. Betroffen sind auch Ärztinnen und Ärzte und anderes Gesundheitspersonal: Auch sie riskieren eine Strafe, wenn sie – gewollt oder ungewollt – zu einem Abort beitragen.

Die Kriminalisierung jeder Form des Schwangerschaftsabbruchs hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen und Mädchen: Sei es, dass sie sich bei Komplikationen oder Fehlgeburten nicht behandeln lassen oder nicht behandelt werden, weil sie oder die Ärztinnen befürchten, sich einer Abtreibung schuldig zu machen; sei es, dass sie Komplikationen bekommen, weil sie illegal unter prekären, unsauberen Bedingungen eine Schwangerschaft abbrechen.

Frauen und Mädchen zum Austragen einer Schwangerschaft zu zwingen, wenn diese zum Tod oder zu schweren gesundheitlichen Schädigungen führen kann, oder wenn sie das Resultat einer Vergewaltigung ist, verstösst in schwerem Mass gegen die Menschenrechte. Die Regierung von Nicaragua muss dieses  Gesetz dringend revidieren und den betroffenen Frauen und Mädchen die Möglichkeit gewährleisten, eine Schwangerschaft legal und unter sicheren und sauberen Bedingungen abzubrechen, wenn diese ihr Leben oder ihre Gesundheit gefährdet oder aus Vergewaltigung oder Inzest entstanden ist.

Aktionen von Amnesty

Amnesty will den internationalen Druck auf die Regierung und den Präsidenten von Nicaragua, Daniel Ortega verstärken, damit dieses totale Abtreibungsverbot aufgehoben wird und wirksame Massnahmen gegen die grassierende sexuelle Gewalt an Mädchen ergriffen werden. Bestellen Sie unsere Aktionspostkarten!

18. Mai 2011

Aktiv werden!

 

Machen Sie Druck auf den nicaraguanischen Präsidenten gegen die sexuelle Gewalt an Mädchen:Postkarten bestellen

50 Jahre Amnesty

Diese Aktion ist Teil unserer globalen Jubiläumsaktionen

Sexuelle Rechte sind Menschenrechte!

Zwar gab es in den vergangenen 50 Jahren viele Fortschritte im Bereich der Frauenrechte – sexuelle Gewalt jedoch gehört noch immer zu den alltäglichen Menschenrechtsverletzungen an Frauen und beraubt die Opfer ihrer Selbstbestimmung und ihrer körperlichen und psychischen Integrität. Regierungen haben die Pflicht, solche Übergriffe zu verhindern und dafür zu sorgen, dass Frauen und Mädchen ihre vollen Rechte wahrnehmen und selbst über ihr Leben bestimmen können.