Amnesty International Schweiz
Startseite Länder Naher Osten und Nordafrika Algerien Beiträge 2011 Briefaktion: Student Opfer von Verschwindenlassen
Brief gegen das Vergessen: Fayçal Benlatrèche

Student Opfer von Verschwindenlassen

Fayçal Benlatrèche
Fayçal Benlatrèche. | © Privat

Der 19-jährige Student Fayçal Benlatrèche bereitete sich gerade auf seine Prüfungen in Naturwissenschaften vor, als er am 12. März 1995 gegen Mitternacht im Haus seiner Familie in Constantine festgenommen wurde. Soldaten mit Sturmmasken führten ihn barfuss und nur mit seinem Schlafanzug bekleidet ab. Seine Familie war bei der Festnahme anwesend. Seither hat sie Fayçal Benlatrèche nicht mehr gesehen.

Einige Monate vor dem Verschwindenlassen waren Fayçal und sein damals 17-jähriger Bruder Sofiane festgenommen und sechs Tage auf der zentralen Polizeiwache von Constantine in Haft gehalten worden. Während dieser Zeit wurde Fayçal Benlatrèche geschlagen und über Personen befragt, die sich vermutlich bewaffneten Gruppen angeschlossen hatten. Während sich die beiden Brüder in Haft befanden, wurde auch ihr Vater Rabah Benlatrèche zu seinen politischen Verbindungen befragt. Ausserdem wollte man von ihm wissen, wem er bei den Wahlen von 1991 seine Stimme gegeben hatte.

Nach vielen vergeblichen Bemühungen, seinen Sohn zu finden, gründete Rabah Benlatrèche im Jahr 1999 eine Organisation, die sich für Menschen einsetzt, welche im Osten Algeriens dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sind. Obwohl die Mitglieder der Organisation eine Fülle von Informationen über Hunderte Fälle von Verschwindenlassen gesammelt haben, leiteten die Behörden bisher keine seriösen Ermittlungen ein. Die Familien verschwundener Menschen werden zudem daran gehindert, vor Amtsgebäuden ihren wöchentlichen Protest für Wahrheit und Gerechtigkeit abzuhalten.

Rabah Benlatrèche starb im September 2009 ohne zu wissen, was mit seinem Sohn Fayçal wirklich geschehen war.


Forderungen der abgeschlossenen Aktion

 

Sehr geehrter Herr Präsident

Der 19-jährige Student Fayçal Benlatrèche bereitete sich gerade auf seine Prüfungen in Naturwissenschaften vor, als er am 12. März 1995 gegen Mitternacht im Haus seiner Familie in Constantine festgenommen wurde. Soldaten mit Sturmmasken führten ihn barfuss und nur mit seinem Schlafanzug bekleidet ab. Seine Familie war bei der Festnahme anwesend. Seither hat sie Fayçal Benlatrèche nicht mehr gesehen.

Einige Monate vor dem Verschwindenlassen waren Fayçal und sein damals 17-jähriger Bruder Sofiane festgenommen und sechs Tage auf der zentralen Polizeiwache von Constantine in Haft gehalten worden. Während dieser Zeit wurde Fayçal Benlatrèche geschlagen und über Personen befragt, die sich vermutlich bewaffneten Gruppen angeschlossen hatten. Während sich die beiden Brüder in Haft befanden, wurde auch ihr Vater Rabah Benlatrèche zu seinen politischen Verbindungen befragt. Ausserdem wollte man von ihm wissen, wem er bei den Wahlen von 1991 seine Stimme gegeben hatte.

Nach vielen vergeblichen Bemühungen, seinen Sohn zu finden, gründete Rabah Benlatrèche im Jahr 1999 eine Organisation, die sich für Menschen einsetzt, welche im Osten Algeriens dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sind. Obwohl die Mitglieder der Organisation eine Fülle von Informationen über Hunderte Fälle von Verschwindenlassen gesammelt haben, leiteten die Behörden bisher keine seriösen Ermittlungen ein. Die Familien verschwundener Menschen werden zudem daran gehindert, vor Amtsgebäuden ihren wöchentlichen Protest für Wahrheit und Gerechtigkeit abzuhalten.

Rabah Benlatrèche starb im September 2009 ohne zu wissen, was mit seinem Sohn Fayçal wirklich geschehen war.

Ich fordere Sie auf, eine vollständige, unabhängige und unparteiische Untersuchung des Verschwindens von Fayçal Benlatrèche einzuleiten und die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen für das Verschwindenlassen in einem Prozess vor Gericht zu stellen. Dieses Gericht soll den internationalen Standards der Fairness entsprechen.

Hochachtungsvoll

Dieser Brief ist Teil der Briefe gegen das Vergessen vom August 2011 | Zurück zur Übersicht August 2011 | Word-Dokument herunterladen | E-Mail-Alert für «Briefe» abonnieren