Ein Dach über dem Kopf ist ein Menschenrecht
An die 100’000 Menschen pilgerten vom 7. bis 10. Juli 2011 ins serbische Novi Sad an eines der grössten Musikfestivals Europas. Amnesty International war mit der Kampagne «Ein Dach über dem Kopf ist ein Menschenrecht», einem gemeinsamen Projekt mit der serbischen NGO Regional Center for Minorities, am Festival präsent. Die beiden Organisationen richten sich in dieser Kampagne an die serbische Regierung und fordern das sofortige Ende der Zwangsräumungen von Roma-Siedlungen in Serbien.
15 junge AktivistInnen aus ganz Europa sowie Mitarbeitende von Amnesty International engagierten sich gemeinsam mit 10 serbischen Freiwilligen während vier Tagen am Festival und sammelten Unterschriften für die Fotopetition «Ein Dach über dem Kopf ist ein Menschenrecht». Neben der Fotopetition hatten die ZuschauerInnen weitere Möglichkeiten, sich für das Recht auf eine angemessene Unterkunft und gegen Zwangsräumungen zu engagieren. Im Amnesty-Zelt im NGO-Bereich des Festivals konnten sich Interessierte detaillierter über die Kampagne informieren, in Amnesty-Berichten schmökern oder Videos, welche die Situation von Betroffenen dokumentieren, anschauen. Ein lokaler Künstler druckte zudem den Kampagnen-Slogan auf T-Shirts, so dass die BesucherInnen die Message der Kampagne in alle Welt tragen konnten.
Kein Wasser oder Strom
Amnesty International und das Regional Center for Minorities fordern in der Petition an die serbische Regierung, die slum-artigen informellen Siedlungen, in denen viele Roma leben müssen, zu legalisieren. Die Regierung muss den Betroffenen Zugang zu Dienstleistungen wie Wasser- und Stromversorgung oder Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. In den Fällen, in denen die Lebensbedingungen in den informellen Siedlungen nicht verbessert werden können, müssen die von der Zwangsräumung bedrohten Gemeinschaften gemäss internationalen Menschenrechtsstandards umgesiedelt werden.
Der jüngste Fall einer angedrohten Zwangsräumung betrifft 17 Roma-Familien im Belgrader Bezirk Obrenovac. Die Betroffenen leben zum Teil seit über 40 Jahren in Gebäuden der Bezirksverwaltung; einige von ihnen besitzen unbefristete Mietverträge. Dennoch sollen die Familien nun vertrieben und in Metallcontainer umgesiedelt werden. Diese entsprechen keinesfalls den Standards für eine angemessene Unterkunft.
Juli 2011

