Die Menschenrechte müssen auch in Äthiopien geachtet werden: Bereits 2006 forderten das diese Demonstranten. © Elvert Xavier Barnes
Die Menschenrechte müssen auch in Äthiopien geachtet werden: Bereits 2006 forderten das diese Demonstranten. © Elvert Xavier Barnes

Äthiopien Dutzende Tote bei Protesten in Äthiopien

9. August 2016
Am Rande von Demonstrationen gegen die Regierung in Äthiopien sind fast 100 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte weitere Demonstranten seien bei den Protesten am Wochenende zudem verletzt worden, teilten Augenzeugen Amnesty International mit.

Sicherheitskräfte hatten laut den Augenzeugenberichten in der Oromia-Region nahe der Hauptstadt Addis Abeba sowie in der nördlichen Amhara-Region mit scharfer Munition auf die Demonstrierenden geschossen. Tausende DemonstrantInnen hatten politische Reformen sowie Unabhängigkeit für die Justiz gefordert. Allein in der Stadt Bahir Dar im Norden des Landes seien an einem Tag mindestens 30 Menschen getötet worden.

«Die äthiopischen Sicherheitskräfte haben systematische exzessive Gewalt angewendet», sagte Michelle Kagari, stellvertretende Leiterin von Amnesty International für Ostafrika, das Horn von Afrika und die Grossen Seen. «Diese Verbrechen müssen sofort unabhängig und wirksam untersucht werden.»

Bei Protesten in der Hauptstadt Addis Abeba wurden keine Toten gemeldet. Allerdings ist auf Fotos und Videos, die Amnesty International vorliegen, zu sehen, wie Polizeikräfte mit Knüppeln auf dem Meskel-Platz im Zentrum der Stadt auf Demonstrierende einschlagen.

Hunderte DemonstrantInnen in inoffiziellen Haftlagern festgehalten

In Oromia und Amhara wurden hunderte von DemonstrantInnen verhaftet und in inoffiziellen Haftlagern festgehalten; darunter sind Ausbildungslager von Polizei und Militär. «Wir sind extrem besorgt, dass in den Haftlagern Menschenrechtsverletzungen, darunter auch Folter und Misshandlungen, stattfinden könnten», sagte Kagari.

Die Menschen in Oromia protestieren bereits seit Ende 2015 gegen Pläne der Regierung, wonachTeile ihrer Region in die Hauptstadt Addis Abeba integriert werden sollen. Sie befürchten, dass Vorhaben führe zu einer Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung in der Region.

Die Proteste in Amhara begannen am 12. Juli 2016, als Sicherheitskräfte versuchten, Oberst Demeka Zewdu, einen der Anführer der Volksgruppe der Wolqait, wegen Terrorverdachts zu verhaften. Das Gebiet der Wolqait ist heute ein Verwaltungsbezirk der Tigray-Region. Bevor die regierende Ethiopian People’s Revolutionary Democratic Front (EPRDF) 1991 an die Macht kam, war es aber Teil der Amhara-Region. Seither fordert die Wolqait-Volksgruppe, dass sie wieder der Amhara-Region zugehören darf.