Ehemalige KindersoldatInnen verbrennen ihre Kleidung nach der Demobilisierung © AI
Ehemalige KindersoldatInnen verbrennen ihre Kleidung nach der Demobilisierung © AI

Demokratische Republik Kongo Kindersoldatinnen «verschwunden»

11. Oktober 2006
Zwei Jahre nach dem Start eines nationalen Programms zur Demobilisierung und Wiedereingliederung von Kindersoldaten und -soldatinnen in der Demokratischen Republik Kongo befinden sich noch immer mindestens 11’000 Kinder, darunter viele Mädchen, in den Händen bewaffneter Gruppen oder sind verschwunden. Ein neuer Bericht von Amnesty International zeigt, dass das offizielle Demobilisierungsprogramm den Kindern kaum Schutz und Unterstützung bietet.

Rund 150'000 Soldaten und Soldatinnen, darunter geschätzte 30'000 Kinder, sollen im Rahmen des seit Juni 2003 laufenden Friedensprozesses in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) bei der Rückkehr ins zivile Leben unterstützt werden. Im Juni 2006 gab die für das Programm für Entwaffnung, Demobilisierung und Integration (DDR) verantwortliche Kommission bekannt, dass 19’000 Kindersoldaten und -soldatinnen demobilisiert worden seien.

Dies bedeutet, dass sich noch immer rund 11’000 Kinder in den Reihen der bewaffneten Gruppierungen befinden, wie der von Amnesty International (AI) veröffentlichte Bericht «Democratic Republic of Congo. Children at War: Creating Hope for their future» festhält. «Die Regierung ist nicht nur darin gescheitert, Tausende von Kindern aus den Händen bewaffneter Gruppen zu befreien. Es werden auch weiterhin Kinder rekrutiert – selbst solche, die erst vor kurzem demobilisiert und zu ihren Familien zurückgebracht worden sind», erklärt Tawanda Hondora, die stellvertretende Direktorin des AI-Afrikaprogramms.

Mädchen werden von Soldaten als Besitz betrachtet

Ein Grossteil der Kinder, die von bewaffneten Gruppen für Kriegszwecke missbraucht wurden, sind Mädchen. Von den meisten fehlt jede Spur. Sie wurden entweder von den Soldaten, die sich entwaffnen liessen, zurückgelassen oder von Verantwortlichen des Demobilisierungsprogramms fälschlicherweise als «Angehörige» der Kämpfer identifiziert. Bis jetzt hat die Regierung nichts unternommen, um die «verschwundenen» Mädchen ausfindig zu machen.

«In gewissen Gegenden machen Mädchen weniger als zwei Prozent der Kinder aus, die von bewaffneten Gruppen befreit wurden und ein Demobilisierungsprogramm durchlaufen», sagt Hondora. Dabei waren rund 40 Prozent der zum Kriegsdienst gezwungenen Kinder Mädchen. Wie die Untersuchungen der AI-Delegation in der DRC zeigen, fühlen sich Offiziere und erwachsene Soldaten nicht verpflichtet, Mädchen freizulassen und verstehen sich als Besitzer ihrer Sexsklavinnen. Viele der Mädchen sind traumatisiert durch jahrelangen sexuellen Missbrauch und haben inzwischen eigene Kinder.

AI fordert die Regierung der DRC auf, der Rekrutierung und dem Einsatz von Kindersoldaten und –soldatinnen ein Ende zu setzen, die Demobilisierung und Wiedereingliederung von Kindern und Jugendlichen in ihre Dörfer aktiver zu fördern und die Verantwortlichen für die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern für Kriegsdienste vor Gericht zu bringen.

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