Vergewaltigungsopfer treffen AI-Delegierte in Kindu © AI
Vergewaltigungsopfer treffen AI-Delegierte in Kindu © AI

DR Kongo Kivu: Kein Ende der Massenvergewaltigungen

30. August 2010
Amnesty International ist bestürzt über die vor kurzem bekannt gewordenen Fälle von Massenvergewaltigungen und sexueller Gewalt in der Region von Walikale in Nord Kivu (Demokratische Republik Kongo). Die Vorfälle haben sich zwischen dem 30. Juli und 2. August 2010 zugetragen.

Gemäss Angaben der Uno wurden mehr als 150 Frauen in 13 Dörfern durch Mitglieder bewaffneter Gruppierungen – darunter die «Demokratische Befreiungsfront Ruanda (FDLR)» – vergewaltigt. Die Berichte weisen darauf hin, dass die Vergewaltigungen systematisch und organisiert waren.

Amnesty International ruft die Regierung der DR Kongo und die Uno auf, die Überlebenden und ZeugInnen sowie deren Gemeinschaften unverzüglich medizinisch und psychologisch zu versorgen. Es müssen umgehend Ermittlungen und die Aufnahme von Zeugenaussagen an die Hand genommen werden, damit die Täter vor Gericht gestellt werden können.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Uno-Sicherheitsrat das Mandat der Uno-Mission in der DR Kongo erneuert und dabei dem Schutz der Zivilbevölkerung ausdrücklich Vorrang eingeräumt vor den anderen Aufgaben der Mission.

Alle Konfliktparteien wenden sexuelle Gewalt an

Sexuelle Gewalt ist im Osten der DR Kongo weit verbreitet und wird durch alle Konfliktparteien verübt – einschliesslich der kongolesischen Regierungsarmee, welche von der Uno unterstützt wird. Im Jahre 2008 hat Amnesty einen ausführlichen Report zum Thema publiziert.

Amnesty International fordert Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Überlebenden. In Anbetracht des unzureichenden Justizsystems in der DR Kongo sind grosse Anstrengungen in der Aufbauarbeit in sämtlichen Bereichen erforderlich. Im Besonderen betrifft dies die Bereitschaft und Fähigkeit, Verbrechen sexueller Gewalt effektiv zu untersuchen und zu bestrafen.

Straflosigkeit muss enden

Recht und Gesetz wiederherzustellen ist längerfristig entscheidend für den Schutz der Zivilbevölkerung. Gleichzeitig muss eine effektive nationale und internationale Gerichtsbarkeit zum Ende der Straflosigkeit führen. Denn die Straflosigkeit ermöglicht es, derartige Verbrechen zu planen und durchzuführen im Wissen, dafür nie zur Rechenschaft gezogen zu werden.