Überlebende in Walikale bei einem Besuch von Margot Wallström, Beauftragte des UNO-Generalsekretärs für sexuelle Gewalt in Konflikten. © Radio Okapi
Überlebende in Walikale bei einem Besuch von Margot Wallström, Beauftragte des UNO-Generalsekretärs für sexuelle Gewalt in Konflikten. © Radio Okapi

Demokratische Republik Kongo Kein Ende der Massenvergewaltigungen: Der Fall von Walikale

21. Dezember 2010
Während vier Tagen Ende Juli und Anfang August 2010 wurden in der Gegend von Walikale (Nordkivu)  mehr als 300 Frauen, Mädchen, Männer und Knaben von bewaffneten Männern brutal vergewaltigt. Nun hat Amnesty International dazu einen detaillierten Bericht verfasst . Dieser dient Amnesty auch als Grundlage dafür, bei der internationalen Staatengemeinschaft und der kongolesischen Regierung für entschiedene Aufarbeitung der seit Jahren andauernden Menschenrechtsverletzungen einzustehen.

Die Massenvergewaltigungen trugen sich in 30 km Entfernung von einer Basis der Uno-Friedenstruppen zu, auf der 80 Blauhelme stationiert waren. Die Angreifer waren mit Schusswaffen, Granaten und Macheten bewaffnet. Sie liessen die Überlebenden verängstigt und traumatisiert sowie all ihrer Habseligkeiten beraubt zurück. Die Untersuchungen von Amnesty International zeigen, dass die Massenvergewaltigungen (einmal mehr) geplant und organisiert waren: Die Frauen, Männer und Kinder wurden von den Angreifern umringt und an der Flucht gehindert. Die Kämpfer agierten unter dem Befehl ihrer Kommandanten, welche mit Terror und Erniedrigung ihre Herrschaft über das betreffende Gebiet festigen wollten. Die Verantwortung für die Übergriffe liegt bei den betreffenden bewaffneten Gruppierungen. Die schockierenden Verbrechen von Walikale zeigen jedoch eindringlich die Unfähigkeit der kongolesischen Regierung und auch der Uno, die Bevölkerung vor Übergriffen und insbesondere vor sexueller Gewalt zu schützen. Gemäss Angaben der Uno wurden allein für 2009 über 15’000 Fälle von Vergewaltigungen rapportiert. Weiterhin kommt es täglich zu sexueller Gewalt, und weiterhin geschehen die Übergriffe in einem Klima fast totaler Straflosigkeit.

Ein Fall unter vielen

So tragisch der Fall von Walikale ist: Er stellt lediglich ein Beispiel dessen dar, was die kongolesische Zivilbevölkerung seit vielen Jahren zu ertragen hat: Seit vielen Jahren leidet die Zivilbevölkerung der Region Nord-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo unter den Kämpfen zwischen der kongolesischen Regierungsarmee, den Armeen anderer Länder sowie zahlreicher bewaffneter Gruppierungen. Es geht dabei um die Kontrolle über das Land und insbesondere die reichen Bodenschätze der Region. Sämtliche Konfliktparteien haben sich dabei schwere Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie weitreichende Menschenrechtsverletzungen zu Schulden kommen lassen. Sexuelle Gewalt wird dabei oft als «Krieg im Krieg» dargestellt, bei dem sich die allgemeine Diskriminierung von Frauen mit Gewaltakten im kriegerischen Konflikt überlagern. Jeden Tag werden Frauen und Mädchen zu Hause, vor den Augen ihrer Angehörigen und der Dorfgemeinschaft, auf den Feldern oder auf dem Schulweg von Angehörigen bewaffneter Gruppierungen und teilweise auch der Regierungsarmee vergewaltigt. Auch Männer und Knaben werden Opfer sexueller Gewalt; aufgrund der enormen, damit verbundenen Stigmata berichten indes nur wenige Überlebende davon.

«UN-Mapping-Report»

Erst Ende September 2010 hatte die Uno die bisher umfassendste Dokumentation über Menschenrechtsverletzungen in den Jahren 1993 – 2003 veröffentlicht. Der bisher jüngste Fall einer Massenvergewaltigung zeigt eindringlich auf, dass sowohl die kongolesische Regierung als auch die internationale Staatengemeinschaft einschliesslich der Schweiz dringend gefordert sind, der Straflosigkeit von Kriegsverbrechen endlich ein Ende zu setzen. Zum Bericht über die Publikation des UN-Mapping Reports