Nigeria Tödliche Polizeieinsätze

Hunderte von bewaffneten Polizeieinsätzen enden in Nigeria jedes Jahr tödlich. Die Familien der Opfer erfahren nie, warum ihre Angehörigen von der Polizei erschossen wurden. Das nigerianische Justizsystem hat sich bisher als unfähig erwiesen, solche Vorfälle effizient zu untersuchen.

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Zu diesen Feststellungen kommt Amnesty International in ihrem neuen Bericht Nigeria: No Justice for the Dead aufgrund von Untersuchungen, die sie im Anschluss an eine Polizeiaktion im Bundesstaat Rivers durchführte. Elementare Techniken wie die Spurensicherung am Tatort oder die Autopsie von Leichen kamen nicht zur Anwendung, und die Todesursachen wurden nicht oder völlig ungenügend untersucht.

Amnesty International geht davon aus, dass die Situation in Rivers auch für andere Bundesstaaten Nigerias exemplarisch ist und dass auch dort Todesfälle im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen nicht adäquat untersucht werden.

«Viele Opfer tödlicher Polizeigewalt sind möglicherweis gesetzeswidrig erschossen worden; unter Umständen ist der Tatbestand einer aussergerichtlichen Hinrichtung erfüllt», sagt Amnesty-Expertin Lucy Freeman, Programmdirektorin für Afrika. «Für solche Menschenrechtsverletzungen müssten die Täter zur Rechenschaft gezogen werden – nach internationalem Recht, aber auch nach nigerianischen Gesetzen.»

Amnesty International appelliert an die nationalen und teilstaatlichen nigerianischen Regierungen, alle gewaltsamen Todesfälle adäquat und professionell zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Medienmitteilung veröffentlicht: Bern, 5.2.2013
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