Ausgebrannte Häuser im Nordosten Nigerias. © STR/AFP/Getty Images
Ausgebrannte Häuser im Nordosten Nigerias. © STR/AFP/Getty Images

Nigeria Blutige islamistische Angriffe sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Mindestens 200 Menschen sind in den vergangenen Wochen im Norden Nigerias der islamistischen Gewalt zum Opfer gefallen. Die Überfälle der bewaffneten Gruppen werden immer ausgeklügelter und immer tödlicher. Sie erfüllen zunehmend den Tatbestand der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagt Amnesty International.

Am 15. Februar 2014 wurden gemäss Berichten über 100 Menschen bei einem Angriff auf zwei mehrheitlich von Christinnen und Christen bewohnte Dörfer im Bundesstaat Borno getötet und Hunderte Häuser niedergebrannt. Dies ist nur der jüngste einer ganzen Reihe von Anschlägen, die Amnesty International in den vergangenen drei Wochen dort und im Nachbarstaat Adamawa dokumentierte.

«Diese tödlichen Anschläge und die systematische Kampagne bewaffneter Gruppen gegen die Zivilbevölkerung sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Täter, einschliesslich der für diese Taten verantwortlichen Anführer der bewaffneten Gruppen, müssen in fairen Verfahren vor Gericht gebracht werden», fordert Makmid Kamara, Nigeria-Experte von Amnesty International.

Entführungen von Mädchen und Frauen

Am Dienstag, 11. Februar, hatten unbekannte bewaffnete Kämpfer im Dorf Konduga, ebenfalls im Bundesstaat Borno, über 50 Menschen getötet und Dutzende Häuser niedergebrannt. Zwei Augenzeuginnen in Konduga berichteten Amnesty International, dass die Männer unter anderem eine Sekundarschule überfielen und dabei zwischen 30 und 40 Mädchen mitnahmen. Auch die leitende Krankenschwester des Spitals von Konduga wurde offenbar gekidnappt. Über den Verbleib der Entführten ist nichts bekannt.

Ähnliche Angriffe waren zuvor auf Dörfer in den Bundesstaaten Adamawa und Yobe ausgeübt worden, mit Dutzenden von Toten, Verletzten und gewaltsam Vertriebenen. Keine Gruppe bekannte sich zu diesen Angriffen.

Regierung muss handeln

«Die Ausweitung des Notstands hat nicht dazu beigetragen, die Gewalt im Norden Nigerias zu reduzieren», stellt Makmid Kamara fest. «Dutzende sind getötet worden, Hunderte von Familien wurden getrennt und viele Menschen hat man gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen. Besonders prekär ist die Sicherheitslage für Kinder, ältere Menschen und Frauen. Die nigerianische Regierung muss wirksame Massnahmen ergreifen, um solche Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.»

Medienmitteilung veröffentlicht: London/Bern, 18.2.2013
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