Demonstranten protestieren am 20. Oktober 2020 in Lagos, Nigeria, gegen Polizeigewalt. © Adetona Omokanye/Getty Images
Demonstranten protestieren am 20. Oktober 2020 in Lagos, Nigeria, gegen Polizeigewalt. © Adetona Omokanye/Getty Images

Briefaktion Nigeria Tötungen von Demonstranten müssen untersucht werden

2. November 2020
Am 20. Oktober 2020 sollen mindestens zwölf friedlich Protestierende erschossen worden sein, als die Armee das Feuer auf Tausende Protestierende eröffnete, die im Rahmen der #EndSARS-Bewegung ein Ende der Polizeigewalt forderten.

Seit dem 8. Oktober sind NigerianerInnen auf der Strasse und fordern friedlich ein Ende der Polizeigewalt, der aussergerichtlichen Hinrichtungen und der Erpressungen durch die Spezialeinheit der Polizei SARS. Dabei begegnen ihnen Polizei und Armee mit exzessiver Gewaltanwendung.

Die Demonstrationen, ausgelöst durch ein virales Video, auf dem zu sehen ist, wie ein SARS-Angehöriger am 3. Oktober einen jungen Mann erschiesst, haben sich zu landesweiten Protesten mit der Forderung nach einer Reform der Polizei entwickelt.

Als Reaktion auf die Proteste hat der nigerianische Polizeipräsident am 11. Oktober die Spezialeinheit SARS (Special Anti-Robbery Squad) aufgelöst und die sofortige Verteilung der SARS-BeamtInnen auf andere Einheiten gefordert. Trotz dieser Erklärung und der immer brutaleren Unterdrückung der Demonstrationen setzen Tausende NigerianerInnen ihren Protest fort. Sie fordern die Freilassung aller festgenommenen Protestierenden, Gerechtigkeit für die Opfer der Polizeigewalt und eine angemessene Entschädigung für die Opfer und ihre Familien sowie die strafrechtliche Verfolgung der mutmasslich Verantwortlichen.

Den Protestierenden wird dabei ständig mit exzessiver Gewalt begegnet: Die Sicherheitskräfte schiessen mit scharfer Munition, Wasserwerfer werden eingesetzt und Tränengaskanister in Menschenmengen geworfen, die Demonstrierenden werden geschlagen und festgenommen. Die Folge dieser Massnahmen sind Tote und Verletzte.

Die aktuellen Entwicklungen können in Englisch in der timeline auf amnesty.org verfolgt werden.