#EndSARS ist eine soziale Bewegung in Nigeria, die auf Twitter begann, um das Verbot der nigerianischen Polizeispezialeinheit Anti-Robbery Squad zu fordern. Hier eine Kundgebung vom 17. Oktober 2020 in der Hauptstadt Lagos. © SHUTTERSTOCK/shynebellz
#EndSARS ist eine soziale Bewegung in Nigeria, die auf Twitter begann, um das Verbot der nigerianischen Polizeispezialeinheit Anti-Robbery Squad zu fordern. Hier eine Kundgebung vom 17. Oktober 2020 in der Hauptstadt Lagos. © SHUTTERSTOCK/shynebellz

Nigeria Tötungen von Protestierenden durch das Militär müssen untersucht werden

22. Oktober 2020
Das nigerianische Militär schoss auf Demonstrierende, die ein Ende der Polizeigewalt und eine gute Regierungsführung forderten. Gemäss Augenzeugenberichten wurden mindestens 12 Menschen dabei getötet. Die Vorfälle müssen untersucht und die Verantwortlichen zu Rechenschaft gezogen werden.

Eine Amnesty-Recherche vor Ort bestätigt, dass nigerianische Polizei- und Militärangehörige am 20. Oktober bei friedlichen Protesten in Lagos mindestens zwölf Menschen getötet haben. Die Vorfälle ereigneten sich in den Stadtteilen Lekki und Alausa, wo Tausende der #EndSARS-Bewegung gegen Polizeigewalt protestierten.

Augenzeuginnen und -zeugen in Lekki berichteten Amnesty International, dass dort am Dienstagabend gegen 18:45 Uhr Ortszeit SoldatInnen aufgetaucht seien und ohne Vorwarnung das Feuer auf Protestierende eröffnet hätten. AugenzeugInnen in Alausa gaben an, dass sie gegen 20 Uhr von einer Gruppe SoldatInnen und PolizistInnen der schnellen Eingreiftruppe Rapid Response Squad angegriffen worden seien; mindestens zwei Menschen seien dabei getötet und eine Person sei lebensgefährlich verletzt worden.

«Das Feuer auf friedliche Protestierende zu eröffnen, ist ein ungeheuerlicher Verstoss gegen die Rechte auf Leben, Würde sowie auf die  Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die Soldaten hatten eine klare Absicht: ohne Konsequenzen zu töten», sagt Osai Ojigho, Direktorin von Amnesty International Nigeria.

«Das Feuer auf friedliche Protestierende zu eröffnen, ist ein ungeheuerlicher Verstoss gegen die Rechte auf Leben, Würde sowie gegen die  Meinungs- und Versammlungsfreiheit.» Osai Ojigho, Direktorin von Amnesty International Nigeria

Amnesty International hat Berichte erhalten, dass kurz vor den Schüssen die Überwachungskameras an der Mautstelle in Lekki von RegierungsbeamtInnen abmontiert und der Strom abgestellt wurden – ein klarer Versuch, Aufnahmen, die als Beweismaterial dienen könnten, zu verhindern. An der Mautstelle in Lekki hatten #EndSARS-Protestierende zwei Wochen zuvor ihr Protest-Camp aufgeschlagen. Wie Amnesty International bereits in früheren Fällen dokumentierte, sollen auch diesmal wieder in Alausa und Lekki einige Getötete und Verletzte vom Militär weggeschafft worden sein.

«Diese Erschiessungen stellen eindeutig aussergerichtliche Hinrichtungen dar. Es muss umgehend eine Untersuchung geben und die Tatverdächtigen müssen in fairen Gerichtsverfahren zur Rechenschaft gezogen werden. Die Behörden müssen den Zugang zu Gerechtigkeit und wirksamen Rechtsbehelfen für die Opfer und ihre Familien sicherstellen», fordert Osai Ojigho.

Hintergrund

Amnesty International beobachtet seit Beginn der #EndSARS-Proteste am 8. Oktober in ganz Nigeria die Entwicklungen. Mindestens 56 Menschen sind seither im ganzen Land gestorben, etwa 38 Personen allein bei den Protesten am Dienstag. Unter den Opfern befinden sich Protestierende und SchlägerInnen, die mutmasslich von den Behörden angeheuert wurden, um sich den Protestierenden entgegenzustellen. In vielen Fällen hatten die Sicherheitskräfte exzessive Gewalt angewendet, um die Proteste zu kontrollieren oder aufzulösen.  

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