Auf der Flucht vor den Reitermilizen im Tschad © AI
Auf der Flucht vor den Reitermilizen im Tschad © AI

Menschenrechtskrise im Sudan spitzt sich dramatisch zu

4. Juli 2006
Zehntausende von Todes-, Vergewaltigungs- und Angriffsopfern und über zwei Millionen Vertriebene: Das ist die schreckliche Bilanz einer Anti-Rebellen-Kampagne, mit der die sudanesische Regierung sich der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig macht.

«Wir mussten fliehen. Die Reitermilizen hatten unser Dorf in einen Strom aus Blut verwandelt ... Sie haben den Männern die Kehle durchgeschnitten, wehrlose Menschen erschossen.»
Flüchtlingsfrau im Tschad

Seit Ende 2005 hat sich die Zahl der Angriffe auf Zivilpersonen, humanitäres Personal und Angehörige der Mission der Afrikanischen Union im Sudan (AMIS) vervielfacht. Auf mindestens 650'000 Zivilpersonen schätzt die Uno die Zahl der Bedürftigen, die von jeder Hilfe abgeschnitten sind, weil die humanitären Organisationen gar nicht bis zu ihnen vordringen können.

Die Angriffe der bewaffneten Reitermiliz, den Janjawid, die von der Regierung unterstützt werden, häufen sich auch im Osten des benachbarten Tschad. Im Bündnis mit lokalen Gruppen plündern sie dort Dörfer und ermorden ZivilistInnen.Seit September 2005 haben die Attacken der Janjawid im Tschad zur Vertreibung von bis zu 75 000 Personen geführt.

In der Region Darfur haben die Janjawid mit Unterstützung der Regierungstruppen bis anhin mehr als zwei Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Zentausende wurden getötet und vergewaltigt.

Sudanesische Regierung schaut tatenlos zu

«Als die Janjawid kamen, nahm ich meine Tochter in die Arme und rannte davon. Sie schossen sie mir ins Bein und ich musste verlangsamen. Das war der Moment, in dem sie meine Tochter erschossen.»
Vater einer drei Jahre alten Tochter

Sowohl die Regierung des Sudan wie die des Tschad sehen den Menschenrechtsverletzungen der Janjawid an Zivilisten tatenlos zu. Die Janjawid erhalten weiterhin Unterstützung von den Regierungstruppen, welche weder die Grenzen bewachen noch die Flüchtlingslager vor den Übergriffen der Reitermiliz beschützen.

Die Regierung in Khartum leistet trotz des Friedensabkommens zur Darfur-Region vom 5. Mai weiterhin Widerstand gegen die Entsendung einer Uno-Truppe. Erst kürzlich hat der Sicherheitsrat eine Resolution verabschiedet, die die sudanesische Regierung auffordert, den spezialisierten Uno-Planungsbeauftragten bis spätestens am 23. Mai Zugang zu verschaffen – inzwischen liegt dieses Datum in der Vergangenheit.

 

Der Schutz der Flüchtlinge hat oberste Priorität

Nur wenn die beiden Regierungen, die Afrikanische Union (AU) und die Uno sofort handeln, kann die noch grössere Ausbreitung des Konfiktes und damit weitere Massaker verhindert werden. Amnesty International fordert alle Parteien dringend dazu auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun

  • um die Flüchtlinge vor den Angriffen der Reitermiliz zu schützen
  • den freien Zugang der Humanitären und Menschenrechtsorganisationen sicherzustellen
  • der Straflosigkeit für die Verbrechen im Tschad und im Sudan ein Ende zu bereiten