10'000 Menschen im Südsudan waren allein in den letzten Wochen auf der Flucht. ©  Pete Muller
10'000 Menschen im Südsudan waren allein in den letzten Wochen auf der Flucht. © Pete Muller

Sudan Auf der Flucht vor Bomben und Hunger

8. Juni 2012
Die Zivilpersonen in den beiden Grenzgebieten Südkordofan und Blue Nile bleiben weiter die Hauptleidtragenden der Kämpfe zwischen der sudanesischen Armee (SFA) und der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee-Nord (SPLA-N). Zu diesem Schluss kommt Amnesty International in einem neuen Bericht.

Seit dem Ausbruch der gewaltsamen Konflikte zwischen den beiden Staaten Südsudan und Sudan in den Grenzregionen Südkordofan und Blue Nile vor einem Jahr wurden mehr als 500’000 Menschen durch die andauernden Bombardierungen durch die SFA sowie Nahrungsmittelknappheit vertrieben. Seitdem befinden sie sich sowohl im Inland als auch in den Nachbarländern auf der Flucht. Verschärft wird diese Situation noch dadurch, dass die sudanesische Regierung internationalen Hilfsorganisationen den Zugang zu den betroffenen Regionen verweigert.

Zuflucht finden die Menschen in notdürftig aufgebauten Flüchtlingslagern entlang der sudanesischen Grenze im Südsudan. Dort sind sie jedoch der Gefahr weiterer Menschenrechtsverstösse ausgesetzt. Amnesty International besuchte im März und April dieses Jahres acht Flüchtlingslager im Südsudan. Es mangelt an Wasser, Nahrung, Sanitäreinrichtungen und medizinischer Versorgung. Zudem hat Amnesty International Berichte von Zwangsrekrutierungen durch die SPLM-N, sexuellen Übergriffen und willkürlichen Verhaftungen in den Lagern erhalten.

Regenzeit verschlechtert Lage

Allein in der vergangenen sechs Wochen sind über 50’000 Flüchtlinge in den Lagern im Südsudan eingetroffen.

«Die Situation ist dramatisch. Durch die bevorstehende sechsmonatige Regenzeit droht sich die Lage der Flüchtlinge noch zu verschlechtern, wenn Materialien für die Versorgung der Flüchtlinge wegen Überschwemmungen nicht mehr zu den Lagern gebracht werden können», sagt Franziska Ulm-Düsterhöft, Afrikareferentin von Amnesty International.

Die humanitären Herausforderungen, vor denen die Vereinten Nationen und internationale NGOs stehen, um diese wachsende Anzahl an Flüchtlingen angemessen versorgen zu können, sind immens.  Das Fehlen von grundlegender Infrastruktur in den abgelegenen Gebieten, in die die Menschen flüchten, erschwert die Versorgung zusätzlich.

Uno muss mehr tun

Amnesty International fordert die Vereinten Nationen auf, die Anstrengungen für die Versorgung der Flüchtlinge und den Schutz, insbesondere von Frauen und Mädchen, zu erhöhen.

«Seit über einem Jahr sieht der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu, wie die Gewalt zwischen dem Sudan und Südsudan eskaliert und sich eine Flüchtlingskatastrophe entwickelt. Der Uno-Sicherheitsrat muss endlich handeln und eine weitere Zuspitzung der Krise verhindern. Insbesondere Russland und China sind aufgefordert, eine eindeutige Positionierung des Sicherheitsrates zu unterstützen», so Franziska Ulm-Düsterhöft.

Lesen Sie dazu den vollständigen Bericht: «We can run away from Bombs, but not from Hunger. Sudan’s refugees in South Sudan.»