Aids-Prävention in KwaZulu-Natal © AI
Aids-Prävention in KwaZulu-Natal © AI

Südafrika Frauen im Teufelskreis von Gewalt, HIV/Aids und Armut

März 2009
55 Prozent der über fünf Millionen HIV-Infizierten in Südafrika sind Frauen. Sie kämpfen nicht nur gegen ihre Krankheit, sondern sind mit Gewalt und Diskriminierung konfrontiert. Gewaltbereite Ehemänner, gleichgültige Behörden und Armut hindern sie daran, ihr Recht auf Gesundheit wahrzunehmen.

Fünfeinhalb Millionen Menschen in Südafrika sind HIV-positiv - so viele wie in keinem anderen Land der Welt. 55 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Die sozioökonomische Abhängigkeit von Frauen und die geschlechtsspezifische Gewalt, der sie ausgesetzt sind, machen sie für eine HIV-Infektion besonders anfällig. Das zeigt der Bericht von Amnesty International von März 2008.

Häusliche Gewalt, sexuelle Gewalt und HIV/Aids

Das Leben der Frauen in Südafrika ist stark von Gewalt geprägt, sowohl innerhalb von Ehe und Familie wie auch ausserhalb. Ihr Risiko, mit Aids infiziert zu werden, ist umso grösser.

«Die Frauen haben Angst. Sie lassen sich auf ungeschützten Sex mit ihren Männern ein, weil sie befürchten, diese würden sonst ihren Unterhalt nicht mehr übernehmen oder sie verlassen.» Das sagt N.O., selbst HIV-positiv, in einem Interview mit Amnesty International. Viele weitere Gesprächspartnerinnen berichten, dass sie von ihren Ehemännern geschlagen und zum ungeschützten Sex gezwungen wurden.

Aber auch ausserhalb der Familie ist sexuelle Gewalt an der Tagesordnung, vor allem auf dem Land, wo die Polizeipräsenz gering ist. «Wir leben in Angst, und wir können nichts tun, um uns zu schützen», sagt die 24-jährige L.E., die von einem Unbekannten vergewaltigt wurde, als sie bei einer Verwandten übernachtete.

Fehlende Sensibilität der Behörden

Zwar wurden seit 1994 beachtliche Anstrengungen unternommen, um die rechtlichen und soziomedizinischen Rahmenbedingungen im Kampf gegen Gewalt an Frauen zu verbessern. Dennoch sind die Behörden, und namentlich die Polizei, gegenüber dieser Menschenrechtsverletzung noch immer sehr wenig sensibilisiert.

Frauen, die gegen einen gewalttätigen Partner klagen wollen, werden von der Polizei zurückgewiesen mit dem Argument, es handle sich um ein «familiäres Problem». Die Polizei ist allzu oft gleichgültig und vernachlässigt ihre Pflicht, Frauen zu schützen.

Mangel an Frauenhäusern

Dazu kommt, dass in ländlichen Gebieten fast keine Frauenhäuser verfügbar sind, in denen gewaltbetroffene Frauen Zuflucht finden könnten, schon gar nicht für längere Zeit. Die 39-jährige S.S. musste zu ihrem Mann zurückkehren, obwohl er sie seit Jahren schlug. Denn in ihrer Region existierte weder ein Frauenhaus noch sonst eine Struktur für Opfer von häuslicher Gewalt.

Schwieriger Zugang zu medizinischer Hilfe

Frauen aus ländlichen Regionen haben grösste Schwierigkeiten, Zugang zu medizinischer Behandlung und zu Prophylaxe zu erhalten, obwohl diese eigentlich gratis wären. Ihnen fehlt aber oft das Geld für den Bus, um sich zum nächsten Spital zu begeben.

«Im März hätte ich für eine Behandlung ins Spital zurückkehren sollen, aber ich konnte das Geld nicht auftreiben, um die Fahrkarte zu bezahlen», erzählt N.D., 26, HIV- und TB-infiziert.

Fehlende Information über Behandlungsmöglichkeiten

Andererseits ist auch die Information über Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten zu wenig verbreitet. Die 23-jährige P.R. ging weder zur Polizei noch in eine Klinik, nachdem sie von acht fünfzehnjährigen Jugendlichen vergewaltigt worden war – sie wusste nicht, dass sie diese Möglichkeit gehabt hätte!

Die Zahl der Gesundheitszentren auf dem Land ist ebenfalls zu gering. Damit eine Aids-Behandlung wirksam sein kann, müssen die Infizierten jedoch regelmässig eine Klinik aufsuchen können. Zudem müssen die Frauen sich regelmässig und ausreichend ernähren, damit sie die Medikamente nehmen können. Das ist oft nicht der Fall, denn sie kommen oft zuletzt an die Reihe, wenn es um die Verteilung des knappen Essens geht. Oder, mit den Worten einer Interviewpartnerin: «Ich stehe auf der untersten Stufe.»

 

Die Forderungen von Amnesty International:

Amnesty fordert die südafrikanischen Behörden auf,

  • Gesundheitsdienstleistungen für Frauen auf dem Land verfügbar und zugänglich zu machen
  • eine Erstberatung von gewaltbetroffenen Frauen zu gewährleisten
  • Polizisten und Polizistinnen entsprechend zu schulen
  • Transportbarrieren aufzuheben, damit insbesondere aidsbetroffene Frauen, aber auch andere gewaltbetroffene Frauen die richtigen Medikamente und Behandlungen bekommen können
  • sicherzustellen, dass Frauen auf dem Land in einem Frauenhaus Schutz finden können.