Vor Kämpfen fliehende Zivilistinnen und Zivilisten im Südsudan im Februar 2016: © Justin Lynch/AFP/Getty Images
Vor Kämpfen fliehende Zivilistinnen und Zivilisten im Südsudan im Februar 2016: © Justin Lynch/AFP/Getty Images

Südsudan Armee begeht Gräueltaten an Zivilbevölkerung

Medienmitteilung 14. Juli 2016, London/Bern – Medienkontakt
Im Südsudan begehen Regierungssoldaten trotz des Friedensabkommens mit den Rebellen weiterhin ungestraft mutmassliche Kriegsverbrechen: Menschen werden willkürlich ermordet, Frauen entführt und in Gruppen von mehreren Soldaten vergewaltigt, Kinder und ältere Menschen bei lebendigem Leib in ihren Häusern verbrannt. Dies belegt ein neuer Amnesty-Bericht.

Der Bericht «'We are still running': War crimes in Leer, South Sudan» beschreibt die Gräueltaten, die Truppen von Präsident Salva Kiir und mit ihnen verbündete Milizen systematisch begehen. Obwohl im August 2015 ein Friedensabkommen zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Kontrahenten Riek Machar vereinbart wurde, kommt der junge afrikanische Staat nicht zur Ruhe. Zivilistinnen und Zivilisten leiden weiterhin unter dem bewaffneten Konflikt, etwa 2,3 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht.

In 123 Fällen dokumentiert der Bericht, dass Männer, Frauen und Kinder in der Stadt Leer von Regierungstruppen und verbündeten Milizen getötet oder entführt wurden. Die Angriffe der Regierungstruppen richteten sich gezielt gegen zivile Einrichtungen.

Zeuginnen und Zeugen berichteten von sexueller Gewalt und Sklaverei, Zerstörung von Häusern, einschliesslich von Nahrungsmitteln und anderer Produkte, die für das Überleben notwendig sind. Ganze Dörfer wurden niedergebrannt und das Vieh gestohlen. Ältere Menschen, Behinderte und Babys wurden bei lebendigem Leibe verbrannt.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Amnesty sprachen auch mit 26 Frauen und Mädchen, die sagten, dass sie von Regierungstruppen oder verbündeten Milizen entführt worden seien. Die Frauen und Mädchen wurden zumeist in Gruppen von einigen wenigen bis zu etwa 100 oder mehr entführt. Die überwiegende Mehrheit der Frauen und Mädchen sagte aus, dass sie vergewaltigt und gezwungen wurden, für ihre Entführer zu arbeiten.

Die überwiegende Mehrheit der Frauen und Mädchen sagte aus, dass sie vergewaltigt und gezwungen wurden, für ihre Entführer zu arbeiten.

Vergewaltigungen wurden systematisch als Kriegswaffe eingesetzt, Schwangere und Mütter mit kleinen Kindern gezielt getötet. Sechs Frauen und Mädchen wurden in staatlichem Gewahrsam hingerichtet.

In einigen Fällen nannten Zeuginnen und Zeugen Namen der Täter sowie die ihrer Kommandeure. Amnesty International hat diese Namen der Regierung des Südsudan mitgeteilt und forderte diese auf, die Vorwürfe umgehend zu untersuchen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Trotz der Hinweise auf Kriegsverbrechen sind bisher keinerlei Schritte unternommen worden, die Täter zu belangen. Auch eine Entschuldigung bei den Betroffenen von offizieller Seite ist unterblieben, ebenso wie Entschädigungen.

Im August 2015 unterzeichneten die Kriegsparteien nach mehrmonatigen Verhandlungen ein Friedensabkommen. Trotzdem wurden die Kämpfe fortgesetzt und weitere schwere Menschenrechtsverletzungen begangen.

2,3 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Allein in Leer sind von November 2014 bis November 2015 über 7600 Zivilistinnen und Zivilisten getötet und circa 1500 Frauen vergewaltigt worden. Am 13. Juli 2016 brach die Gewalt in Leer erneut aus.

Amnesty International fordert den UN-Sicherheitsrat auf, endlich ein Waffenembargo gegen Südsudan zu verhängen. Die Kommission der Afrikanischen Union muss dringend den im Friedensabkommen vereinbarten «Hybriden Gerichtshof» einrichten, um die Straflosigkeit im Südsudan zu beenden.