Ein ehemaliger Bewohner des Lagers für Vertriebene in Alindao, der sich in Bambari eine neue Unterkunft baut © Joanne Mariner/Amnesty International
Ein ehemaliger Bewohner des Lagers für Vertriebene in Alindao, der sich in Bambari eine neue Unterkunft baut © Joanne Mariner/Amnesty International

Zentralafrikanische Republik Uno-Blauhelme griffen bei Massaker an Zivilisten nicht ein

Medienmitteilung 14. Dezember 2018, London/Bern – Medienkontakt
Anstatt sich einem bewaffneten Angriff von Milizen entgegenzustellen haben sich Uno-Blauhelme von ihrem Sicherungsposten in einem Lager für intern Vertriebene in der Zentralafrikanischen Republik zurückgezogen. Zahlreiche Augenzeugen berichten, dass Tausende Menschen im Lager Alindao den Angreifern daraufhin schutzlos ausgeliefert waren und bis zu 100 Menschen erschossen oder bei lebendigem Leib verbrannt wurden.

Die Vereinten Nationen müssen eine gründliche Untersuchung einleiten, wie es zu dem Rückzug der Uno-Friedenstruppen während des Angriffs vom 15. November kommen konnte, fordert Amnesty International. «Zahlreiche Zivilisten im Lager in Alindao wurden regelrecht abgeschlachtet, nachdem die Uno-Friedenstruppen, die sie schützen sollten, nichts gegen die bewaffneten Angreifer unternommen hatten», sagte Joanne Mariner, Senior Crisis Response Adviser bei Amnesty International. Stattdessen zogen sich die Blauhelme laut diversen Augenzeugenberichten in einem gepanzerten Fahrzeug zu ihrer Basis zurück.

 «Die Uno-Truppen waren den bewaffneten Angreifern zahlenmässig stark unterlegen. Ihr Verhalten vor und während dem Angriff wirft indes ernsthafte Fragen auf, ob sie ihrem Auftrag zum Schutz der Zivilbevölkerung nachgekommen sind», sagte Joanne Mariner. Die Uno-Friedensmission in Zentralafrika MINUSCA erklärte gegenüber Amnesty International, dass es angesichts der geringen Zahl an Blauhelmen unmöglich gewesen wäre, den Angriff abzuwehren. Es fragt sich allerdings, warum die Truppen mit ihren gepanzerten Fahrzeugen und schweren Waffen keine Verteidigungspositionen einnahmen, um den Angriff zu stoppen. Auch Warnschüsse wurden keine abgegeben.

Blutiger Angriff

Am 15. November griffen bewaffnete Kämpfer der ‘Union pour la Paix en Centrafrique’ (UPC), einem Ableger der Seleka-Milizen, gegen 8 Uhr das Vertriebenlager in der katholischen Mission von Alindao an. Sie feuerten Mörser und raketenbetriebene Granaten auf das Gelände ab und plünderten und verbrannten dann die Mehrheit der Behausungen der Vertriebenen.

Zu den UPC-Kämpfern gesellten sich viele bewaffnete muslimische Zivilisten aus Alindao und den umliegenden Dörfern. Berichten zufolge waren sie verärgert über frühere Morde an muslimischen Zivilisten in der Gegend. Zuletzt war am Morgen des Angriffs ein muslimischer Motorrad-Taxi-Fahrer getötet worden.

Amnesty International befragte 20 Überlebende, von denen viele beschrieben, wie sich die vor Ort stationierten mauretanischen MINUSCA-Soldaten auf ihre Basis zurückzogen, statt Warnschüsse abzugeben und das Lager zu verteidigen. Als die Angreifer mit dem Plündern und Brandschatzen gegen Ende des Tages aufhörten, waren mindestens 70 Menschen tot, darunter viele Kinder, Frauen, Ältere und Menschen mit Behinderung, die nicht hatten fliehen können. Einige Quellen schätzen, dass es sich sogar um 100 Tote gehandelt habe. Die Angreifer töteten zudem zwei katholische Priester. 18'000 bereits vertriebene Zivilisten ergriffen erneut die Flucht.

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