Ein Researcher von Amnesty International besucht ein Gefängnis in Brasilien, März 2013. © Amnesty International
Ein Researcher von Amnesty International besucht ein Gefängnis in Brasilien, März 2013. © Amnesty International

Gefängniskrise in Brasilien Über 120 Tote innert 16 Tagen

16. Januar 2017
Das Gefängnissystem Brasiliens befindet sich in einer tiefen Krise. In den ersten 16 Tagen des Jahres wurden über 120 Tote in verschiedenen Haftanstalten registriert. Von den jüngsten Gefängnismorden betroffen sind die Bundesstaaten Amazonas, Roraima und Rio Grande do Norte im Norden und Nordosten des Landes.

Das Gefängnissystem Brasiliens befindet sich in einer tiefen Krise. In den ersten 16 Tagen des Jahres wurden über 120 Tote in verschiedenen Haftanstalten registriert. Von den jüngsten Gefängnismorden betroffen sind die Bundesstaaten Amazonas, Roraima und Rio Grande do Norte im Norden und Nordosten des Landes. 

«Es ist entsetzlich, dass innert so kurzer Zeit so viele Menschen, die sich in staatlicher Obhut befanden, ermordet wurden. Die Krise, die am 1. Januar mit den Morden in der Bundeshaftanstalt im Bundesstaat Amazonas begann, hat sich verschlimmert und über weite Teile des Landes verbreitet», sagt Renata Neder, Menschenrechtsbeauftragte von Amnesty International Brasilien. 

«Die Behörden spielen ein gefährliches Spiel. Indem sie die Tiefe und die Dringlichkeit der Gefängniskrise unterschätzen, unterlassen sie es weitere Morde zu verhindern.»

Chronische Überbelegung, mangelhafte Infrastruktur

Im Bundesstaat Rio Grande do Norte befinden sich über 8000 Menschen in Haft, obwohl die Infrastruktur nur auf 3500 Menschen ausgerichtet ist. Schon im März 2015 rief die Regierung wegen zahlreicher Ausschreitungen den «Notstand» in den Haftanstalten aus.

Der nationale Mechanismus für die Verhütung von Folter und der Uno-Sonderbeauftragte für Folter denunzierten die Überbelegung und mangelhafte Infrastruktur in brasilianischen Gefängnissen schon mehrfach beim Nationalen Justizrat.

Amnesty International ruft die Behörden dazu auf, eine rasche, gründliche und unabhängige Untersuchung der Morde durchzuführen. Alle, die eine kriminelle Verantwortung tragen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.