Claudia Medina und Luis Tapia in Bern, von UnterstützerInnen umringt. © AI Schweiz
Claudia Medina und Luis Tapia in Bern, von UnterstützerInnen umringt. © AI Schweiz

Stop Folter in Mexiko Claudia Medina berichtet in der Schweiz über Folter in Mexiko

Claudia Medina, Opfer von Folter in Mexiko, besuchte mit ihrem Anwalt Luis Tapia verschiedene Länder Europas, um über ihren Kampf für Gerechtigkeit und gegen Folter zu berichten. Vom 8. bis am 11. Oktober machten sie Halt in der Schweiz.

Amnesty International engagiert sich seit Mai 2014 für Claudia Medina, die 2012 in den Händen der Marine Opfer von physischer, psychischer und sexueller Folter wurde. 2015 wurde Claudia Medina freigesprochen, die mutmasslichen Täter sind jedoch bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen worden.

Claudia Medina wurde zwar aus dem Gefängnis entlassen, doch ihr Kampf für Gerechtigkeit ist damit nicht beendet. Während ihres Aufenthalts in der Schweiz erklärte sie den AktivistInnen von Amnesty International: «Ich setze alles daran, um Gerechtigkeit zu erlangen. Ich verlange von der Regierung eine öffentliche Entschuldigung und ich weigere mich zu akzeptieren, dass noch weitere Frauen derselben Tortur ausgesetzt sein sollen, wie ich sie erdulden musste.»

Begleitet wurde Claudia Medina von ihrem Anwalt Luis Tapia, der für die Menschenrechtsorganisation Centro Pro DH arbeitet. Tapia setzt sich seit Jahren für Opfer von Folter ein, aber auch für die Angehörigen von Verschwundenen – so waltet er beispielsweise als Anwalt für die Familien der 43 verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa.

Hohe Straflosigkeit begünstigt Folter

Laut Tapia wurzeln die gravierenden Menschenrechtsprobleme Mexikos in der fast vollständigen – 98-prozentigen – Straflosigkeit: «Fälle wie jener von Claudia geschehen immer wieder in Mexiko. Die Anwendung von Folter ist im ganzen Land weitverbreitet.» Mit Folter oder anderen unmenschlichen Misshandlungen erzwingen Polizei, Militär und Marine «Geständnisse» von den betroffenen Personen. Dabei ist es ihnen gleichgültig, ob die Betroffenen am Verbrechen Schuld tragen oder nicht – für sie gilt einzig, dass sie ein Verbrechen «aufklären» konnten. «Es handelt sich dabei in keiner Weise um umfassende Ermittlungen, die auf handfesten Indizien oder Beweisen basieren. Staatsanwaltschaft und Gerichte stützen sich einzig auf das 'Geständnis' des angeblich Schuldigen», bedauert der Anwalt. Diese Praxis ist gängig, obwohl ein unter Folter erzwungenes Geständnis gemäss mexikanischer Gesetzgebung nicht zugelassen werden dürfte.

Grosser Dank gebührt Aktivistinnen

Medinas und Tapias Programm in der Schweiz war intensiv: Sie trafen sich mit dem EDA sowie mit Organisationen der Zivilgesellschaft, und sie gaben den Medien ein Interview. An den Abendveranstaltungen in Zürich, Bern und Basel berührte Claudia mit ihrer Geschichte das Publikum. Sie nutzte die Gelegenheit, um sich bei den AktivistInnen zu bedanken: «Das Wort 'Danke' genügt nicht, um die Dankbarkeit auszudrücken, die ich für euer Engagement empfinde. Eure Unterstützung berührt mich tief und gibt mir die Kraft, meinen Kampf gegen die Straflosigkeit fortzuführen».

Interview mit Luis Tapia :