Protestaktion gegen die Todesstrafe. © AICH
Protestaktion gegen die Todesstrafe. © AICH

Todesstrafe in den USA Wiedereinführung grausamer Hinrichtungsmethoden

11. Januar 2021
In den USA soll es wieder möglich sein, zum Tode Verurteilte durch den elektrischen Stuhl, Erschiessung oder Gas zu exekutieren. Amnesty International fordert, die Planungen zur Wiedereinführung grausamer Hinrichtungsmethoden aufzuheben und die Todesstrafe in allen Bundesstaaten wie auf Bundesebene abzuschaffen.

In den USA hat die Anzahl der Hinrichtungen auf Bundesebene im letzten Jahr der Präsidentschaft von Donald Trump in einem beunruhigenden Masse zugenommen. Gleichzeitig kündigte die Trump-Administration an, neue Hinrichtungsmethoden einzuführen. Wurden bislang alle Urteile mit tödlichen Giftspritzen vollstreckt, sollen künftig auch Erschiessen, der Einsatz von Giftgas und der elektrische Stuhl wieder Anwendung finden können. Amnesty International kritisiert diesen Rückschritt und fordert die US-Regierung auf, dem internationalen Trend weg von der Todesstrafe zu folgen.

«Statt andere Methoden für Hinrichtungen wiedereinzuführen, sollte die Todesstrafe im ganzen Land endlich abgeschafft werden.» Patrick Walder, Kampagnenleiter bei Amnesty Schweiz

«Der Hintergrund für die Wiedereinführung grausamer Hinrichtungsmethoden liegt in der Tatsache, dass es einen Mangel an den Medikamenten gibt, die für die tödliche Injektion verwendet werden», sagt Patrick Walder, Kampagnenleiter bei Amnesty Schweiz. «Statt andere Methoden für Hinrichtungen wiedereinzuführen, sollte die Todesstrafe im ganzen Land endlich abgeschafft werden.»

Viele Pharmafirmen haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass ihre Medikamente nicht mehr für Hinrichtungen eingesetzt werden können. Gleichzeitig haben viele US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft, Colorado war im März 2020 der 22. Bundesstaat, der diesen Schritt vollzogen hat. Auch die Anzahl der Hinrichtungen in den USA ist in diesem Jahr auf den geringsten Stand seit fast 30 Jahren gefallen. Und das obwohl Hinrichtungen auf Bundesebene in diesem Jahr erstmals nach 17 Jahren wieder durchgeführt wurden.

«Die ausstehenden Hinrichtungen müssen ausgesetzt und die Todesurteile in Haftstrafen umgewandelt werden», sagt Patrick Walder. «Amnesty International fordert, dass auch die USA sich dem Trend zu einer Abschaffung der Todesstrafe weltweit nicht mehr widersetzen.»

Hintergrund

Laut dem jüngsten Amnesty-Jahresbericht zur Todesstrafe weltweit für das Jahr 2019 verzichten immer mehr Länder auf die Exekution von Inhaftierten. Die Zahl der Hinrichtungen nahm im vierten Jahr in Folge ab, von mindestens 690 im Jahr 2018 auf mindestens 657 im Jahr 2019 – die niedrigste Zahl seit zehn Jahren. In diesen globalen Gesamtzahlen ist allerdings China unberücksichtigt, da die Zahl der Hinrichtungen dort als Staatsgeheimnis behandelt wird.

In den USA ist ebenfalls in den letzten Jahren ein eindeutiger Trend weg von der Todesstrafe erkennbar: Die Todesstrafe wird weniger häufig verhängt und noch seltener vollstreckt. Zwar wurden im Jahr 2019 noch 22 Menschen hingerichtet, doch im selben Jahr hat der Gouverneur von Kalifornien ein offizielles Moratorium für Hinrichtungen eingeführt, New Hampshire schaffte die Todesstrafe für alle Verbrechen ab. Im März dieses Jahres trat in Colorado das Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe in Kraft – Colorado ist damit der 22. Bundesstaat ohne Todesstrafe. Elf weitere Bundesstaaten haben seit mehr als zehn Jahren kein Todesurteil mehr vollstreckt.

Auf Bundesebene ist hingegen eine andere Entwicklung festzustellen: Allein im laufenden Jahr wurden 10 Menschen hingerichtet, bis zum Amtsantritt von Joe Biden am 20. Januar 2021 sollen noch drei weitere Menschen, darunter eine Frau, exekutiert werden. Damit wurde die Todesstrafe in diesem Jahr von der Bundesregierung öfter angewendet als von jedem Bundesstaat.

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