Ngawang Phulchung Nach 18 ½ Jahren aus dem Gefängnis entlassen

7. Januar 2008
Ngawang Phulchung, einer der tibetischen politischen Gefangenen mit der längsten Haftstrafe, wurde um den 21. Oktober 2007 aus dem Chushul Gefängnis (Tibet) entlassen. Zahlreiche AI-Mitglieder, unter ihnen auch die Gruppe Klosters-Davos, haben sich jahrelang für seine Freilassung eingesetzt.

Unterstützungspostkarte  aus Holland © AI Unterstützungspostkarte aus Holland © AI

Der heute 48-jährige war eine der Schlüsselfiguren der friedlichen Unabhängigkeitsdemonstration vom 27. September 1987 und Anführer der so genannten «Zehnergruppe» des Klosters Drepung. Seine auf 19 Jahre lautende Gefängnisstrafe wurde im September 2005 um 6 Monate reduziert. 18 ½ Jahre verbrachte Ngawang Phulchung in diversen Haftanstalten. Die unmenschliche Behandlung und Folter haben seiner Gesundheit schwer zugesetzt.  Berichten zufolge befindet sich Ngawang Phulchung jetzt bei seiner Familie im Kreis Toelung Dechen (Tibet).

Kurzbiographie

Ngawang Phulchung wurde im Dorf Yamda im Kreis Toelung Dechen (Lhasa) geboren. 1984 trat er ins Kloster Drepung ein, wo er sich ein profundes Wissen in buddhistischer Philosophie aneignete und schon bald den Doktortitel hätte erwerben können. Doch dann konzentrierte er seine Energie auf den tibetischen Kampf für politische und religiöse Freiheit.

Am 27. September 1987, während einer friedlichen Demonstration für die Menschenrechte, wurden Ngawang Phulchung zusammen mit anderen Teilnehmern gewaltsam festgenommen und ohne Anklage vier Monate lang in Haft gehalten.

Nach der Freilassung kehrte er ins Kloster Drepung zurück und wurde zum Anführer der  «Gruppe der Zehn», welche sich aktiv für die Menschenrechte einsetzte. Sie verfasste heimlich politische Literatur und verteilte diese. Unter den publizierten Schriften befand sich auch eine Übersetzung der Menschenrechtserklärung in tibetischer Sprache, Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Tibet sowie ein Dokument mit dem Titel «Die Bedeutung der wertvollen demokratischen Verfassung Tibets».

Am 22. April 1989 wurde Ngawang Phulchung und drei weitere Mönche im Kloster festgenommen.Grund: «Bildung einer konterrevolutionären Gruppe» und «Verbreitung von reaktionärer Literatur». Am 18. Juli 1989 wurden auch die übrigen Mitglieder der «Zehnergruppe» festgenommen.

Im Rahmen einer Massenverurteilung am 30. November 1989 verhängte das Mittlere Volksgericht öffentlich die Gefängnisstrafen. Ngawang Phulchung wurde zu 19 Jahren Gefängnis und zu anschliessend fünf Jahren Aberkennung der bürgerlichen Rechte verurteilt.
15 Jahre seiner Haftzeit verbrachte Ngawang Phulchung im gefürchteten Drapchi Gefängnis nahe bei Lhasa, unter unvorstellbaren Haftbedingungen.

Jahrelange Unterstützung von AI-Mitgliedern

Jahrelang haben Amnesty International, die Uno- Menschenrechtskommission und viele besorgte Einzelpersonen sich bemüht, für Ngawang Phulchung die vorzeitige Entlassung zu erwirken. Die AI Gruppe Davos-Klosters habt diesen Fall seit 1991 betreut, und zahlreiche Leute aus der Region haben die Gruppe mit gezielten Aktionen unterstützt.

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