Die Polizei Hongkongs droht damit, scharfe Munition einzusetzen. © Jimmy Lam / everydaphoto
Die Polizei Hongkongs droht damit, scharfe Munition einzusetzen. © Jimmy Lam / everydaphoto

Hongkong Situation eskaliert

19. November 2019
In Hongkong kommt es immer häufiger zu gewaltätigen Übergriffen. Statt zu deeskalieren, verschärft die Polizei die Situation durch die Drohung, scharfe Munition anzuwenden.

Seit Sonntag belagert die Polizei den Campus der Polytechnischen Universität Hongkong. Sie setzt Tränengas- und Wasserwerfer ein – offenbar auch beim Versuch, Menschen davon abzuhalten, das Gelände zu verlassen. DemonstrantInnen reagierten mit Benzinbomben.

«Die Polizei in Hongkong schürt wieder einmal die Flammen der Gewalt, obwohl sie versuchen sollten, die Situation zu entschärfen» so Man-Kei Tam, Direktor von Amnesty International Hongkong. «Es liegt in der Verantwortung der Polizei, zu deeskalieren. Doch anstatt Verletzten zu helfen, verhaften sie die Ärzte und Ärztinnen, die versuchen, Verwundete zu behandeln. Der zunehmend gewalttätige Charakter der Proteste in Hongkong und die daraus resultierenden Verletzungen – auch von Unbeteiligten – sind alarmierend.»

Polizei droht mit scharfer Munition

«Ihre heutige Drohung, dass Demonstrierende mit scharfer Munition konfrontiert werden könnten, ist ein weiterer aggressiver Schritt, der das Risiko einer Tragödie auf den Strassen erhöht», so Man-Kei Tam.  «In einer Zeit, in der die Menschen in Hongkong Besonnenheit und Menschlichkeit von den MachthaberInnen brauchen, bekommen sie stattdessen Tränengas, Prügel und tödlichen Drohungen.»

Die Studierendenvertretung der Polytechnischen Universität Hongkong gab an, dass Hunderte von DemonstrantInnen, freiwilligen ÄrztInnen, Medienschaffende und SozialarbeiterInnen immer noch auf dem Campus sind, viele von ihnen verletzt. Die Polizei hat medizinische Freiwillige und Reporter*innen, die versuchen, den Campus zu verlassen, zusammengetrieben und angeblich mehr als 100 Menschen in der Nachbarschaft verhaftet.

In den frühen Morgenstunden des Montagmorgens sagte ein Polizeisprecher in einem Facebook Live-Post, dass man Demonstrant*innen, die tödliche Waffen benutzen, um Polizist*innen anzugreifen, möglicherweise mit scharfer Munition begegnet. Medienberichten zufolge hat die Polizei inzwischen Warnschüsse abgegeben. Amnesty International fordert seit Beginn der Proteste im April eine unabhängige Untersuchung der Gewaltanwendung durch die Polizei.