Rebell der Kachin Independence Army (KIA) auf einem Kommandoposten nahe der chinesischen Grenze. © Patrick BODENHAM/AFP/GettyImages
Rebell der Kachin Independence Army (KIA) auf einem Kommandoposten nahe der chinesischen Grenze. © Patrick BODENHAM/AFP/GettyImages

Myanmar Schwere Menschenrechtsverletzungen an ethnischen Minderheiten

14. Juni 2017
Angehörige ethnischer Minderheiten im Norden Myanmars sind Folter, aussergerichtlichen Hinrichtungen, Entführungen und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen durch die Armee und bewaffnete Gruppen ausgesetzt. Dies dokumentiert ein neuer Amnesty-Bericht.

Für den Bericht «All the Civilians Suffer. Conflict, Displacement and Abuse in Northern Myanmar» führten Amnesty-MitarbeiterInnen von März bis Mai 2017 mehr als 140 Interviews mit Betroffenen, Augenzeugen, MenschenrechtsverteidigerInnen und VertreterInnen humanitärer Organisationen durch. Sechs Jahre nach dem Ende des Waffenstillstands zwischen der Armee und der Kachin Independence Organization/Army, einer der grössten bewaffneten Gruppen des Landes, erreichen die Kämpfe im Norden des Landes eine neue Intensität.

Zivilbevölkerung zwischen den Fronten

Im Norden Myanmars gerät die Zivilbevölkerung zwischen die Fronten von Armee und bewaffneten Gruppen: Die Armee nimmt wahllos Dörfer unter Beschuss. Soldaten inhaftieren willkürlich Menschen, foltern und sind für aussergerichtliche Tötungen verantwortlich. In einigen Fällen handelt es sich nach Einschätzung von Amnesty International um Kriegsverbrechen. Bewaffnete Gruppen entführen Zivilisten und erpressen Geld von Dorfbewohnern in Konfliktgebieten. Immer wieder werden Männer und Kinder verschleppt und gezwungen, in den Gruppen zu kämpfen.

Fast 100'000 intern Vertriebene

Fast 100'000 Menschen waren bislang aufgrund des Konflikts gezwungen, ihre Häuser verlassen. Die Regierung von Myanmar hat die Situation vieler Binnenflüchtlinge zusätzlich verschlimmert, indem sie humanitären Organisationen den Zugang zu bestimmten Gebieten verwehrt. Nach Angaben von OrganisationsvertreterInnen können sie aufgrund der Einschränkungen nicht schnell genug auf Notfälle reagieren und für Unterkünfte oder den Zugang zu Wasser und Sanitäreinrichtungen sorgen.

Amnesty International fordert alle beteiligten Konfliktparteien dazu auf, ZivilistInnen im Konflikt schützen. Menschenrechtsverletzungen müssen untersucht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Die Behörden sind gefordert, die Beschränkungen für humanitäre Hilfe sofort aufzuheben, um der ohnehin gefährdeten Bevölkerung keinen weiteren Schaden zuzufügen.