Auf der Flucht: Muslimische Roghngya an der Grenze zu Bangladesch © Zakir Hossain Chowdhury/Anadolu Agency/Getty Images)
Auf der Flucht: Muslimische Roghngya an der Grenze zu Bangladesch © Zakir Hossain Chowdhury/Anadolu Agency/Getty Images)

Myanmar Taktik der verbrannten Erde: Ethnische Säuberungen in Rakhine

Medienmitteilung 14. September 2017, London/Bern Medienkontakt
Amnesty International legt neue Beweise vor, die auf eine massiv angelegte Säuberungskampagne in Myanmar hinweisen. Armee, Polizei und Bürgerwehren brennen im Norden der Provinz Rakhine ganze Dörfer der muslimischen Rohingya nieder und schiessen wahllos auf Menschen, die versuchen zu fliehen.

«Es gibt keinen Zweifel: Das ist eine ethnische Säuberung», sagt Tirana Hassan, Leiterin der Crisis Response bei Amnesty International. «Die Beweislage ist erdrückend: Die Sicherheitskräfte in Myanmar setzen den Norden der Provinz Rakhine in einer gezielten Kampagne in Brand, um die Rohingya aus Myanmar zu vertreiben.»

In einer orchestrierten Kampagne wurden während drei Wochen systematisch ganze Dörfer in Brand gesteckt. Dies belegen Satellitenbilder, Fotografien, Videos sowie Dutzende Berichte von Augenzeugen in Myanmar und im Grenzgebiet zu Bangladesch.

Taktik der verbrannten Erde

Amnesty International hat mindestens 80 Grossfeuer in bewohnten Gebieten seit Beginn der Militärkampagne am 25. August dokumentiert. Wie gross die Schäden sind, kann derzeit nicht festgestellt werden, weil die Regierung unabhängigen Beobachtern den Zugang verweigert. Es muss aber davon ausgegangen werden, dass ganze Dörfer vernichtet und Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben wurden.

Die tatsächliche Zahl der Brände dürfte noch weit höher sein, da die Witterung während der Monsunzeit die Auswertung von Satellitenaufnahmen erschwert und vermutlich nicht alle Feuer entdeckt wurden.

Satellitenbilder von Inn Din, einem ethnisch gemischten Gebiet an der Grenze zu Bangladesch, zeigen eindeutig, dass Häuser der Rohingya niedergebrannt wurden, während Nicht-Rohingya verschont blieben. Dasselbe Schema zeigt sich in städtischen Gebieten. In der Stadt Maungdaw wurden mehrheitlich von Rohingya bewohnte Viertel komplett niedergebrannt, andere Stadtteile blieben unversehrt.

Augenzeugen aus Rakhine und Flüchtlinge in Bangladesch beschreiben die Taktik der Sicherheitskräfte folgendermassen: Manchmal umkreisen Soldaten, Polizisten und Bürgerwehren ein Dorf und schiessen in die Luft, oftmals stürmen sie die Dörfer auch gleich und schiessen wild um sich. Die Menschen versuchen in Panik zu fliehen, während ihre Häuser mit petrolgetränkten Fackeln oder Raketenwerfern in Brand gesetzt werden.

370'000 Flüchtlinge verlassen Myanmar in weniger als drei Wochen. © AI