Zusatzinformationen

30. Mai 2006
Gewalt gegen Frauen ist in Pakistan weit verbreitet, tief verwurzelt und gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Besonders verbreitet ist familiäre Gewalt. Verschiedene Gesetze und traditionelle Prakt

Gewalt gegen Frauen ist in Pakistan weit verbreitet, tief verwurzelt und gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Besonders verbreitet ist familiäre Gewalt. Verschiedene Gesetze und traditionelle Praktiken sind massiv diskriminierend und verhindern, dass Frauen ihre grundlegenden Rechte ausüben können.

Pakistan ist das Land mit den meisten «Ehrenmorden» auf der Welt. Pro Jahr werden in Pakistan mindestens 1'400 Frauen Opfer von «Ehrenmorden». Morde im Namen der Ehre werden solche Morde genannt, die an Personen (meist Frauen) begangen werden, die bezichtigt werden, die «Ehre» der Familie oder der Gesellschaft verletzt zu haben. Zur Wiederherstellung der Ehre wird die betroffene Frau getötet. Ehrenmorde haben ihre Wurzeln in der patriarchalischen Gesellschaft Pakistans, in der Frauen als Besitz ihrer männlichen Angehörigen angesehen werden. Der «Wiederherstellung der Ehre» wird meist eine so grosse Bedeutung beigemessen, dass die Täter in der Regel straflos ausgehen.

Im November 2006 hat das Parlament eine Änderung des so genannten «Ehebruch-Gesetzes» verabschiedet. Das neue Strafgesetz erleichtert es Frauen zwar, eine Vergewaltigung anzuzeigen. Eine solche musste bislang durch vier männliche Zeugen bezeugt werden. Konnte das Opfer diese Zeugen nicht beibringen, musste es mit einer sofortigen Verhaftung und einem Prozess wegen Zina - ausserehelichem Geschlechtsverkehr – rechnen. Nach wie vor wird jedoch jeder nicht eheliche Geschlechtsverkehr als Verbrechen betrachtet und ist unter Gefängnisstrafe gestellt. Frauen können damit auch weiterhin unter Druck gesetzt und bedroht werden.

Im Jahr 2006 wurden in Pakistan mindestens 80 Menschen hingerichtet und über 446 zum Tode verurteilt, die meisten wegen Mordes. Rund 7200 zum Tode verurteilte Personen sitzen in überfüllten Gefängniszellen ein und warten unter unmenschlichen Haftbedingungen auf die Vollstreckung des Todesurteils.

Minderjährige StraftäterInnen werden häufig wie Erwachsene behandelt und gemeinsam mit diesen festgehalten und vor Gericht gestellt. Häufig werden diese Jugendlichen dabei Opfer von Misshandlung und sexuellem Missbrauch. Immer wieder kommt es vor, dass Minderjährige zum Tode verurteilt werden. Die Verordnung über das Jugendstrafsystem, die dem Schutz von Kindern im Justizsystem dienen soll und die Todesstrafe an Minderjährigen verbietet, wird dabei systematisch ignoriert. In vielen Gebieten gibt es keine Jugendgerichte und Richter und Anwälte sind nur mangelhaft über die Bestimmungen des Jugendstrafsystems orientiert. Eine systematische Registrierung fehlt vor allem in ländlichen Gebieten weitgehend, was die Feststellung des Alters von jugendlichen Straftätern stark erschwert. In der Gerichtspraxis wird der angeklagte Jugendliche im Zweifelsfall als Erwachsener behandelt.

Hunderte Menschen wurden 2006 verhaftet oder «verschwanden». Zu den Opfern gehörten Journalisten und Nationalisten aus den Provinzen Sindh und Belutschistan und «Terrorverdächtige». Gegenüber Familienangehörigen und im Zuge gerichtlicher Haftüberprüfungen bestreiten die Vertreter der Staatsorgane in der Regel, etwas über den Verbleib der Vermissten zu wissen. Freigelassene Opfer berichten von Folterungen und Misshandlungen durch staatliche Sicherheitskräfte.

Unter dem Deckmantel des «Krieges gegen den Terror» geht die pakistanische Regierung besonders brutal gegen Autonomiebewegungen und Regierungskritiker vor. Besonders von Gewalt betroffen ist Belutschistan, die grösste und an natürlichen Vorkommen reichste Provinz Pakistans. Obwohl der grösste Teil der natürlichen Ressourcen des Landes - vor allem Gas, Kohle und Kupfer - in Belutschistan gewonnen wird, hat eine Mehrheit der Belutschen keinen Zugang zu diesen Gütern. Die Provinz gilt als „Armenhaus“ des Landes und wird bei Entwicklungs- und Infrastrukturprojekten der Regierung seit Jahrzehnten übergangen. Ein grosser Teil der Belutschen ist von der Versorgung mit Trinkwasser, Strom und Gas ausgeschlossen und hat keinen Zugang zum Bildungs- und Gesundheitswesen.

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