Solidaritäts-Aktion für Alfreda Disbarro in Grossbritannien. © Amnesty International
Solidaritäts-Aktion für Alfreda Disbarro in Grossbritannien. © Amnesty International

Erfolg im Fall Alfreda Disbarro Verurteilung von Polizisten wegen Folter

Die beiden Polizisten, die Alfreda Disbarro auf den Philippinen gefoltert haben, sind schuldig gesprochen worden. Ein Erfolg der Amnesty-Kampagne «Stop Folter».

Die Polizisten wurden wegen schweren Verfehlungen (Körperverletzung und Unregelmässigkeiten in der Pflichterfüllung) verurteilt und im Rang herabgestuft. Die Schuldsprüche entsprechen zwar noch nicht den Anti-Folter-Gesetzen, dennoch sind sie ein Erfolg, der auf die Arbeit von Amnesty zurückzuführen ist. Als bekanntgegeben wurde, dass Untersuchungen im Falle Alfreda Disbarro eingeleitet werden, bezog sich die philippinische Polizei für interne Angelegenheiten auf einen Brief von zwei Amnesty-AktivistInnen.

Amnesty setzt sich seit Mai 2014 mit der Kampagne «Stop Folter» für Alfreda Disbarro und weitere Opfer der Folter ein. In der Schweiz wurden über 22'000 Unterschriften für Alfreda Disbarro gesammelt.

Amnesty setzt sich seit Mai 2014 mit der Kampagne «Stop Folter» für Alfreda Disbarro und weitere Opfer der Folter ein.

Hintergrund

Alfreda Disbarro ist alleinerziehende Mutter und arbeitete hin und wieder als Informantin für die Polizei. Sie sass am 3. Oktober 2013 in einem Internetcafé in Parañaque auf den Philippinen. Zwei Polizeibeamte und ein Hilfspolizist näherten sich ihr und warfen ihr vor, eine Drogendealerin zu sein. Alfreda wehrte sich gegen die Anschuldigungen und öffnete freiwillig ihre Taschen, um jeglichen Verdacht aus der Welt zu schaffen. Ohne Vorwarnung richtete der Hilfspolizist dennoch eine Waffe auf sie, während ihr einer der Polizeibeamten auf die Brust schlug. Dann wurde sie in Handschellen abgeführt und zum Drogendezernat der Polizei von Parañaque gebracht.

Auf dem Polizeirevier angekommen, wurde Alfreda von einem männlichen Hilfspolizisten abgetastet und mit gefesselten Armen in einen Raum mit fünf anderen Gefangenen gebracht.

Gefoltert und misshandelt

Nach zwei Stunden brachten Beamte sie in eine Küche. Ein führender Polizeibeamter begann, sie mehrfach in den Bauch und ins Gesicht zu schlagen. Dann schlug er sie mit einem Knüppel, stach mit seinen Fingern in Alfredas Augen und zwang ihr einen Wischmop in den Mund. Mehrfach wurde Alfreda Disbarro heftig gegen die Wand geschleudert. Anschliessend übernahm ein anderer Beamter die Misshandlung und schlug Alfreda Disbarro mit einem Stock. Familienangehörige waren in das Gebäude gekommen, um Alfreda Disbarro zu sehen. Sie durften aber nicht zu ihr.

Falsche Beweise und ein falsches Geständnis

Am 4. Oktober brachte man Alfreda Disbarro in das Rathaus ihres Heimatbezirks Barangay. Hier warteten schon Polizisten mit einigen Hundert-Dollar-Noten und einem Päckchen Drogen. Alfreda Disbarro beharrte auf ihrer Unschuld.

Am nächsten Morgen forderte man Alfreda Disbarro auf, ein weisses Blatt Papier zu unterschreiben. Ausserdem wurde sie zusammen mit dem Geld und den Drogen fotografiert, bevor sie in eine Haftanstalt für Frauen gebracht wurde. In den Tage danach litt Alfreda aufgrund der Folter an starken Schmerzen.

Am 8. Oktober 2013 kam Alfreda Disbarro vor den Staatsanwalt, der sie wegen Besitzes und Verkaufs von Drogen anklagte. Er interessierte sich in keiner Weise für die Folter und Misshandlungen, die Alfreda über sich ergehen lassen musste.

Alfreda Disbarros Schwester reichte Beschwerde bei der nationalen Menschenrechtskommission ein, woraufhin Alfreda Disbarro am 10. Oktober von einem Arzt untersucht wurde. Er stellte zahlreiche Prellungen und Blutergüsse an ihrem Körper fest, die ihr in den letzten ein bis zwei Wochen zugefügt worden waren. Der Arzt kam zu dem Schluss, dass ihre Verletzungen von einem harten, stumpfen Gegenstand herrührten und empfahl eine Computertomographie, um innere Verletzungen ausschliessen zu können.

Derzeit ist Alfreda Disbarro im Gefängnis von Parañaque inhaftiert und wartet auf ihren Prozess wegen Drogenhandels. Ihre Familie hat Drohungen erhalten und wurde mehrfach aufgefordert, die Stadt zu verlassen.

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