Eine Überlebende in Osten von Bosnien betrachtet ihr zerstörtes Haus. Staatliche Unterstützung und Hilfsprogramme kommen oft kaum bis in die ländlichen Gebiete © ZIYAHGAFIC
Eine Überlebende in Osten von Bosnien betrachtet ihr zerstörtes Haus. Staatliche Unterstützung und Hilfsprogramme kommen oft kaum bis in die ländlichen Gebiete © ZIYAHGAFIC

Bosnienkrieg Keine Gerechtigkeit für Vergewaltigungsopfer

Medienmitteilung 12. September 2017, London/Bern Medienkontakt
Über 20‘000 Frauen und Mädchen wurden im Bosnienkrieg von Soldaten und Milizionären vergewaltigt, versklavt und gefoltert. Mehr als zwanzig Jahre später warten die Überlebenden weiter auf Gerechtigkeit.

Der Amnesty-Bericht «‹We need support, not pity›: Last chance for justice for Bosnia’s wartime rape survivors» (pdf)(«‹Wir brauchen Unterstützung, kein Mitleid›: Die letzte Gelegenheit für Gerechtigkeit für Vergewaltigungsopfer des Bosnienkrieges») dokumentiert die verheerenden physischen und psychischen Folgen dieser Verbrechen auf das Leben der Betroffenen.

«Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Krieg versuchen Tausende von Frauen in Bosnien-Herzegowina immer noch verzweifelt, ins Leben zurückzufinden. Dringend benötigte medizinische, psychologische und finanzielle Unterstützung bleibt ihnen versagt», sagt Gauri van Gulik, stellvertretende Europa-Direktorin von Amnesty International.

Täter auf freiem Fuss

Während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 wurden Tausende Frauen und Mädchen vergewaltigt oder erlitten andere Formen sexueller Gewalt. Viele wurden von Militärs und paramilitärischen Gruppen versklavt, gefoltert oder in sogenannten Vergewaltigungslagern von ihren Peinigern geschwängert.

Seit Beginn der Kriegsverbrechertribunale im Jahr 2004 gelangten weniger als 1 Prozent der Täter von Kriegsverbrechen und sexueller Gewalt vor Gericht – in nur 123 Fällen kam es zu einem Urteil. Obwohl die Anzahl der Strafverfolgungen in den vergangenen Jahren zugenommen hat, sind viele Täter immer noch auf freiem Fuss oder sind mit geringen Strafen davongekommen. Langwierige und ungenügende Verfahren untergraben das Vertrauen in die Justiz und halten viele Opfer davon ab, überhaupt Klage einzureichen.

Opfer werden alleingelassen

Opfer sexueller Gewalt gehören zu den verletzlichsten Gruppen in Bosnien-Herzegowina. Viele der Frauen sind arbeitslos und leben in Armut. Nur etwa 800 Überlebende erhalten regelmässig Sozialhilfe. In vielen Fällen hindern diskriminierende Vorschriften die Frauen daran, staatliche Unterstützung einzufordern.