Sotschi-Aktion in Frankreich © l'oeilduplafond
Sotschi-Aktion in Frankreich © l'oeilduplafond

Ernüchternde Bilanz zum Ende der Spiele Das Erbe von Sotschi: Überschattet von Menschenrechtsverletzungen

Medienmitteilung veröffentlicht: London/Bern, 22. Februar 2014. Medienkontakt
Die Erinnerung an die Olympischen Spiele in Sotschi wird von den  zahlreichen Menschenrechtsverletzungen überschattet bleiben, die vor und während des prestigeträchtigen Anlasses begangen wurden.

Sergei Nikitin, Direktor des Büros von Amnesty International in London, zieht eine düstere Bilanz: «Die Olympischen Spiele sollen ihrem Grundgedanken gemäss zu einer friedlicheren und besseren Welt beitragen. Dieses Ziel wurde in Sotschi nicht erreicht. Russlands Repressionsapparat schlug auch währen der Spiele unvermindert zu, und die Olympische Bewegung unterliess es, das Gastland mit seinem Versprechen für die Einhaltung der Menschenrechte zu konfrontieren.»

«Das Schweigen des IOC zu den Menschenrechtsverletzungen in Russland war geradezu ohrenbetäubend»

«Die Schikanen, Verhaftungen, fadenscheinigen Anklagen und unfairen Gerichtsverfahren, mit der Russland die Meinungsäusserungsfreiheit von Aktivistinnen und Aktivisten unter den Augen der ganzen Weltöffentlichkeit einschränkte, haben einen Schatten auf die Spiele geworfen. Das verheisst wenig Gutes für die Zeit nach den Spielen – wenn die Medien aus aller Welt wieder aus Russland abgezogen sind.»

Die Beispiele drastischer Einschränkungen der Meinungsäusserungsfreiheit reichen von der gezielten Inhaftierung und Verurteilung von Umweltaktivisten schon vor der Eröffnung, über fast alltägliche willkürliche Inhaftierungen von missliebigen Personen während der Spiele, bis zum heutigen Urteil gegen die Aktivisten vom Bolotnaja-Platz durch ein Gericht in Moskau (vgl. Medienmitteilung auf www.amnesty.org).

Auch das IOC ist gefordert

Über die Bücher sollte gemäss Amnesty International aber auch das Internationale Olympische Komitee. Die Menschenrechtsorganisation hatte das IOC immer wieder aufgefordert, die Verhaftungen und Menschenrechtsverletzungen mit dem Gastland zu thematisieren. Doch das IOC wollte keine Stellung nehmen.

«Das Schweigen des IOC zu den Menschenrechtsverletzungen in Russland war geradezu ohrenbetäubend», kritisiert Sergei Nikitin. «Richtig: Die Olympischen Spiele sollen über der Politik stehen – jedoch nicht über den Menschenrechten! Statt Gleichberechtigung und Menschenrechte zu fördern, haben Mitglieder des IOC ihre Hände in Unschuld gewaschen und jegliche Verantwortung abgelehnt. Statt dessen schlossen sie sich lieber der offiziellen Lesart der russischen Führung an.»

Hintergrund

Mehr als 336 000 Menschen in 112 Ländern hatten sich mit Blick auf die Spiele in Sotschi in einem von Amnesty International initiierten Aufruf an Präsident Putin gewandet: Sie forderten die Aufhebung der russischen Gesetze, die die Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit beschränken. Die Petition wurde am 30. Januar 2014 in Moskau der russischen Präsidialverwaltung übergeben (mehr dazu).

Am 10. Februar gelangte Amnesty International mit einem Offenen Brief an den Präsidenten des IOC und bat ihn, nicht länger die Augen zu verschliessen vor den massiven Menschenrechtsverletzungen, die im direkten Zusammenhang mit den Olympischen Spielen von den russischen Behörden begangen wurden (mehr dazu).

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