Yulia Tsvetkova © Privat
Yulia Tsvetkova © Privat

Russland: Briefaktion für Yulia Tsvetkova Drohende Gefängnisstrafe für Aktivistin

Briefe gegen das Vergessen April 2020
Die russische Aktivistin und Künstlerin Yulia Tsvetkova wird strafrechtlich verfolgt und schikaniert, weil sie für die Rechte von Frauen und LGBTI eintritt. Ihr drohen bis zu sechs Jahre Gefängnis.

Seit dem 22. November 2019 stand Yulia Tsvetkova wegen ihrer Zeichnungen des weiblichen Körpers unter der unbegründeten Anschuldigung, «pornografisches Material hergestellt und verbreitet» zu haben, unter Hausarrest.

Seit dem 16. März 2020 befindet sie sich zwar nicht mehr unter Hausarrest, und auch eine dringend benötigte zahnärztliche Untersuchung wurde ihr nun gestattet. Dennoch laufen nach wie vor strafrechtliche Ermittlungen gegen Yulia Tsvetkova. Am 11. Dezember 2019 wurde eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Rubel (etwa 730 Euro) gegen sie verhängt, weil sie die Administratorin zweier Online-LGBTI-Plattformen ist. In der Begründung heisst es, dies sei «Werbung für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen zwischen Minderjährigen» – obwohl die Plattformen wie im russischen Recht vorgeschrieben mit dem Hinweis versehen sind, dass sie nur für Volljährige zugänglich sind.

Sollten die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Yulia Tsvetkova zu einer Anklage und Verurteilung führen, drohen bis zu sechs Jahre Gefängnis.

Bitte schreiben Sie höflich formulierte Briefe in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch an den Staatsanwalt von Komsomolsk am Amur:

BRIEFVORSCHLAG und Forderungen auf Deutsch
(Briefvorschlag in Englisch siehe ganz unten)

Sehr geehrter Herr Staatsanwalt

Mit Erleichterung habe ich erfahren, dass Yulia Tsvetkova nicht mehr im Hausarrest ist.

Die junge Frau aus Komsomolsk am Amur ist bereits seit März 2019 Zielscheibe von offen homofeindlichen Aktivitäten der Behörden, weil sie sich für die Rechte von Frauen und LGBTI einsetzt. Ihr Engagement ist kein Vergehen. Dennoch wurde sie am 22. November 2019 unter Hausarrest gestellt. Am 16. März 2020 wurde dieser Hausarrest endlich aufgehoben.

Dennoch unterliegt sie weiterhin einer Reisebeschränkung und die strafrechtlichen und verwaltungsrechtlichen Verfahren, die gegen sie eingeleitet wurden, weil sie sich für Frauen- und LGBTI-Rechte einsetzt, sind bislang nicht eingestellt worden.

Bitte ergreifen Sie alle notwendigen Massnahmen, um die strafrechtliche Verfolgung, die Reisebeschränkung und Schikanierung von Yulia Tsvetkova zu beenden.

Hochachtungsvoll

Corona-Krise: Info Postversände

ACHTUNG! Aufgrund der Verbreitung des Coronavirus ist die weltweite Briefzustellung momentan eingeschränkt. Da sich die Zustellung täglich ändern kann, prüfen Sie bitte auf der Website der Schweizer Post, ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie andere Kommunikationskanäle (E-Mail, Fax oder soziale Medien, wenn vorhanden) für die Zustellung Ihres Appells zu nutzen und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Höflich formulierten Brief an den Staatsanwalt von Komsomolsk am Amur

Boris Viktorovich Kononenko
Prosecutor of Komsomolsk-on-Amur
Krasnogvardeiskaya street, 34
Komsomolsk-on-Amur 681013
RUSSISCHE FÖDERATION

E-Mail: kms@phk.hbr.ru

Kopie an

Botschaft der Russischen Föderation
Brunnadernrain 37
3006 Bern

Fax: 031 352 55 95
E-Mail: rusbotschaft@bluewin.ch

 

Einen druckfertigen Modellbrief auf Deutsch finden Sie auf Seite 5
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Porto: CHF 2.00
 


Model letter in english:

Dear Prosecutor,

I am happy to hear that Yulia Tsvetkova, an artist and activist from Komsomolsk-on-Amur, has been released from house arrest on 16 March.

But she remains under travel restrictions, and criminal and administrative proceeding instigated against her for promoting women’s rights and LGBTI rights are still ongoing.

I urge you to take all necessary steps to end Yulia Tsvetkova’s prosecution, under both criminal and administrative charges, and to lift the travel restrictions against her.

Yours sincerely,