Mitglieder und Unterstützer*innen von Amnesty Grossbritannien übergeben eine Petition an die russische Botschaft in London am 17. Mai 2019. Mit über 65'000 Unterschriften fordert die Petition von Präsident Putin, die Angriffe gegen LGBTI*-Personen in Tschetschenien zu untersuchen.  © Amnesty International
Mitglieder und Unterstützer*innen von Amnesty Grossbritannien übergeben eine Petition an die russische Botschaft in London am 17. Mai 2019. Mit über 65'000 Unterschriften fordert die Petition von Präsident Putin, die Angriffe gegen LGBTI*-Personen in Tschetschenien zu untersuchen. © Amnesty International

Briefaktion Tschetschenien / Russland Tschetschenische LGBTI*-Aktivisten entführt

23. Februar 2021
Salekh Magamadov und Ismail Isaev wurden in Zentralrussland von der Polizei entführt und nach Tschetschenien gebracht. Die beiden waren aus Tschetschenien geflüchtet, weil sie dort aufgrund ihrer vermeintlichen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität mehrfach Repressalien und Folter erlebten.

Am 4. Februar wurden Salekh Magamadov und Ismail Isaev in Zentralrussland von der Polizei entführt und nach Tschetschenien gebracht. Von dort waren die Geschwister 2020 geflohen, nachdem sie willkürlich inhaftiert
und nach eigenen Angaben gefoltert worden waren, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäusserung wahrgenommen hatten. Ausserdem hatten sie weitere Repressalien befürchtet, unter anderem im Zusammenhang mit ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität. Ihr Aufenthaltsort ist derzeit unbekannt. Sie sind Opfer des Verschwindenlassens und ihre körperliche und geistige Unversehrtheit sowie ihr Leben sind in Gefahr.

Salekh Magamadov und Ismail Isaev hatten bereits in der Vergangenheit rechtswidrigen Freiheitsentzug sowie Folter und andere Misshandlungen durch die tschetschenischen Behörden erlitten. Salekh Magamadow und Ismail Isaew befinden sich seit Langem im Visier der tschetschenischen Behörden. Ismail Isaew wurde Medienberichten zufolge bereits 2019, im Alter von 16 Jahren, aufgrund seiner tatsächlichen oder vermeintlichen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität Opfer von Gewalt und Verfolgung. Er wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen, geschlagen und sieben Tage lang an einem unbekannten Ort festgehalten, bevor er gegen ein Lösegeld freigelassen wurde. Am 30. März 2020 wurden Ismail Isaew und Salekh Magamadow willkürlich von der tschetschenischen Polizei festgenommen und in einem Gebäude der Streifenpolizei festgehalten. Ihren Angaben zufolge wurden sie gefoltert und anderweitig misshandelt, um sie dafür zu bestrafen, dass sie die Telegram-Gruppe Osal Nakh 95 moderiert hatten, in der kritische Beiträge über die tschetschenischen Behörden und traditionelle Lebensweisen zu finden sind. Sie wurden im Mai 2020 wieder freigelassen, nachdem im Internet ein Video mit erzwungenen «Entschuldigungen» veröffentlicht wurde.

Im Laufe der Jahre haben MenschenrechtsverteidigerInnen weit verbreitete Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien dokumentiert, darunter massenhafte willkürliche Inhaftierungen, Folter und andere Misshandlungen sowie aussergerichtliche Hinrichtungen. Diejenigen, die die tschetschenischen Behörden kritisieren, auch in den sozialen Medien, sehen sich schweren Repressalien ausgesetzt.

Weitere Informationen und Briefvorschlag: Fordern Sie vom Generalstaatsanwalt, Massnahmen einzuleiten, um den Aufenthaltsort von Salekh Magamadov und Ismail Isaev zu ermitteln.