Rachid Mesli hatte in den 1990-er Jahren in Algerien unzählige Menschenrechtsverletzungen in Algerien angeprangert,  so Folter und Verschwindenlassen | © Amnesty International
Rachid Mesli hatte in den 1990-er Jahren in Algerien unzählige Menschenrechtsverletzungen in Algerien angeprangert, so Folter und Verschwindenlassen | © Amnesty International

Menschenrechtsverteidiger Menschenrechtsanwalt an der Schweizer Grenze verhaftet

Der algerische Menschenrechtsanwalt Rachid Mesli, ein ehemaliger Gewissensgefangener von Amnesty International und von der Schweiz anerkannter politischer Flüchtling, ist vor zwei Tagen aufgrund eines von den algerischen Behörden ausgestellten Interpol-Haftbefehls an der italienisch-schweizerischen Grenze verhaftet worden. Die Schweizer Sektion von Amnesty international fordert seine sofortige Freilassung.

Der algerische Rechtsanwalt Rachid Mesli ist seit Jahren ein Partner der Schweizer Sektion von Amnesty International, die sich dafür eingesetzt hatte, dass er im Jahr 2000 in der Schweiz als Flüchtling anerkannt wurde.

Als Anwalt hatte Rachid Mesli in Algerien zahlreiche Personen verteidigt, die während des algerischen Bürgerkriegs der 1990er Jahre des «Terrorismus» angeklagt waren. Dabei prangerte er auch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen an, die in seinem Land begangen worden waren, namentlich Folter und Misshandlungen seiner Mandanten, aber auch Tausende Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen. 1996 wurde er selbst verhaftet, gefoltert und nach einem unfairen Prozess zu drei Jahren Haft verurteilt. Internationalen Beobachtern wurde der Zugang zu den Gerichtsverhandlungen verwehrt. Amnesty International hat ihn damals als Gewissensgefangenen anerkannt und hartnäckig seine Freilassung gefordert.

Nach seiner Ankunft in der Schweiz engagierte sich Rachid Mesli weiterhin für die Menschenrechte in der arabischen Welt, als Mitbegründer und Mitarbeiter mehrerer Organisationen.

«Rachid Mesli ist den algerischen Behörden wegen seiner Tätigkeiten ein Dorn im Auge. Deshalb schikanieren sie ihn seit Jahren mit der Anschuldigung, er stehe mit terroristischen Organisationen im Kontakt», erläutert Manon Schick, Geschäftsleiterin von Amnesty International Schweiz. «Wir verstehen nicht, warum Italien dem von den algerischen Behörden ausgestellten internationalen Haftbefehl auch nur die geringste Legitimität einräumt und so mithilft, einen Menschenrechtsverteidiger mundtot zu machen. Falls für seine Festnahme kein anderer Grund vorliegt als dieser Haftbefehl, fordern wir, dass die italienischen Behörden ihn umgehend freilassen!»

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