Ausgrenzung von Romakindern im slowakischen Bildungssystem

Juni 2011
Eine tief verwurzelte Anti-Roma-Haltung innerhalb des slowakischen Bildungssystems hat dazu geführt, dass viele Romakinder vom Kindergarten an in gesonderten Klassenzimmern oder in Spezialschulen unterrichtet werden. Oft sind sogar die Pausenplätze getrennt. Damit soll der Kontakt mit Nicht-Romakindern verhindert werden.

Die Ausgrenzung der Romakinder findet auf vielen Wegen statt. In einigen Distrikten der Slowakei besuchen Romakinder ethnisch getrennte Schulen oder Klassen, die oft einen minderwertigeren Unterricht bieten.

In Regionen mit einer hohen Romabevölkerung sind drei von vier SchülerInnen in Sonderschulen oder -klassen für geistig behinderte oder lernschwache Kinder Roma. Obwohl die Roma weniger als 10 Prozent der slowakischen Gesamtbevölkerung stellen, besuchen landesweit bis zu 85 Prozent der Romakinder Sonderschulen oder -klassen.

Ein Teufelskreis

Die Diskriminierung und Ausgrenzung der Roma im slowakischen Bildungssystem verunmöglicht den Betroffenen eine vollwertige Teilnahme an der Gesellschaft und schliesst sie in einen Teufelskreis von Armut und Marginalisierung ein.

Das slowakische Schulgesetz von 2008 verbietet jede Form von Diskriminierung, insbesondere die Ausgrenzung von ethnischen Minderheiten. Das Gesetz definiert jedoch Ausgrenzung nicht genau und enthält auch keine konkreten Massnahmen und Richtlinien, die den Erziehungsämtern die Überwachung und Beendigung von Diskriminierungspraktiken erleichtern würde.

Kein Bekenntnis gegen Diskriminierung

Im August 2010 nahm die slowakische Regierung die Verpflichtung zur Beendigung der Ausgrenzung von Romakindern im Bildungssystem in ihr Vier-Jahres-Programm auf. Amnesty International ist jedoch besorgt darüber, dass der Staatspräsident bis anhin die Diskriminierung und Ausgrenzung der Roma nie klar und unmissverständlich als unzulässig und ihre Bekämpfung als prioritäre Aufgabe deklariert hat. Sorgen bereitet auch, dass ein Jahr nach dem Regierungswechsel noch immer keine konkreten Massnahmen gegen die Ausgrenzung ausgearbeitet wurden.

Die Ausgrenzung von Minderheiten darf im Europa des 21. Jahrhunderts keinen Platz mehr haben. Die slowakische Regierung hat noch viel Arbeit vor sich, um diese diskriminierende Praxis gegenüber den Roma zu beenden. Die Ausgrenzung aus dem regulären Bildungssystem stigmatisiert die Romakinder für den Rest ihres Lebens und schränkt ihre Zukunftschancen massiv ein. Das Verhalten der Regierung wird das Leben von Tausenden Romakindern beeinflussen.