Türkei Verhaftungswelle nach gewaltsamer Räumung des Gezi-Park

17. Juni 2013
Amnesty hat glaubwürdige Informationen, wonach in den letzten Tagen in Zusammenhang mit der gewaltsamen Räumung des Taksim-Platzes und des Gezi-Parks in Istanbul Hunderte von Personen verhaftet worden sind. Zahlreiche von ihnen werden seither an unbekannten Orten und ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten.

Der für die Türkei zuständige Amnesty-Researcher wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag Zeuge der polizeilichen Räumungsaktion und spricht von exzessiver und unverhältnismässiger Gewalt.

Incommunicado-Haft

Die türkische Anwaltsvereinigung verfügt über die Namen von mindestens 70 Verhafteten, von denen seither jede Spur fehlt. Die türkischen Behörden weigern sich bisher, Auskunft darüber zu geben, wo die Betreffenden in Haft gehalten werden.  Amnesty befürchtet Folter und Misshandlung in Haft und Polizeigewahrsam.

Ärzte verhaftet und angeklagt

Besonders stossend ist, dass selbst Ärzte, die Verletzte in Notzentren (Hotels, Büros) medizinisch versorgt haben, verhaftet worden sind und unter Anklage gestellt werden sollen.

Amnesty fordert von den türkischen Behörden dringend

  • die sofortige Freilassung der Verhafteten oder aber die Bekanntgabe ihr Aufenthaltsort und Zugang für Familienangehörige und Anwälte
  • unabhängige und unparteiliche Untersuchungen über die gewaltsamen Polizeieinsätze sowie die Bestrafung der Verantwortlichen
  • die Respektierung des Rechts auf freie Meinungsäusserung und die Zulassung friedlichen Protestes

Zur internationalen Medienmitteilung (englisch)

>> aktuelle Informationen des Türkei-Researchers von Amnesty, Andrew Gardner über seinen Twitteraccount @andrewegardner (englisch)