Ukraine Aktivist entführt, gefoltert und «gekreuzigt»

6. Februar 2014
Die Entführung und Folterung des ukrainischen Aktivisten Dmitrii Bulatov ist eine barbarische Tat, die umgehend untersucht werden muss.

Dmitrii Bulatov Dmitrii Bulatov wurde entführt und gefoltert. © Olha Koshelenko

«Die ukrainischen Behörden müssen umgehend eine Untersuchung des Falls von Dmitrii Bulatov einleiten und diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die diese barbarische Tat an einem der Hauptorganisatoren der Demonstrationen begangen haben», sagte John Dalhuisen, Amnesty-Programmleiter für Europa und Zentralasien.

«Dmitriis entsetzliche Geschichte ist kein Einzelfall unter den Euromaidan-Protestierenden. Es gab Berichte über ähnliche Fälle, darunter auch Yury Verbytsky, der seinen Leidensweg nicht überlebte.»

«Angesichts der entsetzlichen Gewaltanwendungen gegen die Organisatoren von Protesten ist ein Ausweg aus der derzeitigen Krise nur schwer vorstellbar. Die Behörden müssen den Tätern dieser schrecklichen Gewalttaten die unmissverständliche Botschaft senden, dass es keine Straffreiheit geben wird und dass sie zur Verantwortung gezogen werden.»

Folter und Verhöre

Dmitrii Bulatov verschwand am Abend des 22. Januar 2014. Er ist einer der Hauptorganisatoren und Teilnehmer der Automaidans, bei denen sich Autokolonnen in die Demonstrationen einreihen, die seit November 2013 in Kiew abgehalten werden. Dmitrii Bulatov sagte, er wurde in den acht Tagen nach seinem Verschwinden geschlagen, gefoltert und gekreuzigt. Er wurde von Männern mit einem russischen Akzent verhört, die wissen wollten, wer seine Aktivitäten finanziert. Dabei waren seine Augen über einen längeren Zeitraum verbunden und er erhielt nur sehr wenig Nahrung.

Am 30. Januar wurde er in einem Waldstück ausserhalb von Kiew aus einem Auto geworfen und in Anbetracht der Minusgrade dem Tod überlassen. Es gelang ihm, zu einem nahegelegenen Dorf zu laufen, wo er unterkommen und seine Freunde anrufen konnte. Seine Verletzungen werden nun in einem Krankenhaus behandelt.

Blutüberströmt, mit verschmutzter Kleidung und übersät mit Schnitten und Quetschungen, sprach er von seinem Leidensweg: «Ich wurde gekreuzigt. Meine Hände wurden durchstochen. Sie zerschnitten mein Ohr. Sie zerschnitten mein Gesicht. Es gibt keine Stelle an meinem Körper, die nicht verletzt ist. Sie können es selbst sehen. Aber ich lebe noch, Gott sei Dank.»

Dimitrii Bulatov konnte am 2. Februar nach einem Gerichtsentscheid zur medizinischen Behandlung nach Litauen ausreisen.

Mehr Informationen: Regierung muss Gewaltspirale stoppen