Ukraine Beweise für Kriegsverbrechen

8. September 2014
Im Ukraine-Konflikt begehen Kämpfer beider Parteien Kriegsverbrechen. Satellitenbilder zeigen, dass es sich um einen internationalen Konflikt handelt.

«Alle Seiten in diesem Konflikt haben Missachtung für das Leben von Zivilisten gezeigt und verletzen eklatant ihre internationalen Verpflichtungen», erklärte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty, der dieser Tage nach Kiew und Moskau reist.

Amnesty International liegen Beweise dafür vor, dass Russland den Konflikt anheizt, und zwar sowohl durch Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine als auch durch direktes Eingreifen.

Untersuchungsteams von Amnesty International haben in der Ostukraine Beweise für willkürlichen Beschuss, Entführungen, Folter und Morde gesammelt. Sie haben mit Augenzeugen gesprochen, die vor Kämpfen bei Donezk, Kramatorsk, Lugansk und anderen Orten geflohen waren. Die Zivilpersonen berichteten, dass die ukrainische Armee ihre Wohnorte heftig unter Beschuss genommen hätten. Diese Angriffe seien offenbar wahllos gewesen und könnten Kriegsverbrechen sein. ZeugInnen berichteten ausserdem, separatistische Kämpfer hätten ihre Nachbarn entführt, gefoltert und umgebracht.

Einwohner von Slawjansk erzählten etwa, dass Separatisten einen Pfarrer, zwei seiner Söhne und zwei Kirchgänger in ihre Gewalt gebracht und 50 000 US-Dollar Lösegeld gefordert hätten. Als die Gemeinde das Geld zusammenbrachte, hatten die Entführer alle Geiseln gemäss den Zeugenaussagen bereits getötet.

Andere Berichte, die Amnesty als glaubhaft einstuft, beschuldigten freiwillige bewaffnete Gruppen aufseiten der ukrainischen Armee, Menschen zu verschleppen und zu schlagen. «Zivilpersonen in der Ukraine verdienen Schutz und Gerechtigkeit», sagte Salil Shetty. «Ohne eine sorgfältige und unabhängige Untersuchung besteht das Risiko, dass die Ukrainer über Generationen unter den Narben dieses Kriegs leiden.»

Satellitenbilder liefern Beweise dafür, dass Russland unmittelbar in den Konflikt eingreift. Sie zeigten unter anderem die Aufstellung neuer, nach Westen gerichteter Geschütze innerhalb der ukrainischen Grenze zwischen dem 13. und dem 29. August. Diese Satellitenbilder in Verbindung mit Berichten über russische Truppen auf ukrainischem Boden lassen keinen Zweifel daran zu, dass dies nun ein internationaler bewaffneter Konflikt ist, wie Salil Shetty weiter sagte. Der Kreml hat mehrfach bestritten, an den Kämpfen in der Ukraine beteiligt zu sein.