Kriegspropaganda Unseriöse Berichte über Massenhinrichtungen in der Ostukraine

20. Oktober 2014
Ein aktueller Amnesty-Bericht belegt: Es gibt Beweise für illegale Hinrichtungen in der Ostukraine, die von beiden Konfliktparteien begangen wurden. Die Meldungen über Massenhinrichtungen sind allerdings übertrieben und dienen der Propaganda.

Der neue Bericht von Amnesty International Summary killing during the conflict in eastern Ukraine dokumentiert illegale Hinrichtungen in der Ostukraine sowohl durch pro-russische Separatisten als auch durch regierungstreue Kräfte und wirft beiden Seiten falsche Angaben und Übertreibungen vor.

«Es gibt keine Zweifel an illegalen Hinrichtungen und Gräueltaten, die von pro-russischen Separatisten und ukrainischen Milizen in der Ostukraine begangen worden sind. Es ist jedoch schwierig, das Ausmass festzustellen»,  sagt John Dalhuisen, Direktor für Europa und Zentralasien bei Amnesty International.

«Statt jeweils die Gegenseite zu beschuldigen, sollten beide Seiten daran interessiert sein, gravierende Menschenrechtsverletzungen und illegalen Tötungen zu stoppen, die einzelnen Fälle gründlich zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.»

Am 23. September 2014 hatten russische Medien über die Entdeckung von Massengräbern in Komunar und Nyzhna Krynka (Donezker Gebiet) berichtet. Unter den Leichen sollen sich auch Frauen mit Folterspuren und eine Schwangere befunden haben. Das Gebiet war noch kurz zuvor von ukrainischen Milizen kontrolliert worden. Der russische Aussenminister Sergei Lavrov sprach später von 400 Leichen in diesen Massengräbern und forderte eine internationale Untersuchung.

Eine Delegation von Amnesty International war am 26. September 2014 vor Ort und fand unter anderem Beweise, dass vier Männer von ukrainischen Milizen aussergerichtlich hingerichtet worden waren. Die Leichen wurden in zwei Gräbern in der Nähe des Dorfes Komunar gefunden.

«Viele der schockierenden Fälle, die insbesondere von russischen Medien veröffentlicht wurden, sind enorm übertrieben», sagt John Dalhuisen. «Amnesty hat keine überzeugenden Beweise für Massentötungen oder Gräber gefunden. Wir haben in einzelnen Fällen Hinweise auf Hinrichtungen dokumentiert, die Kriegsverbrechen sein könnten.»

Amnesty fordert, dass beide Seiten Untersuchungen einleiten und die Verbrechen aufklären.