Gegen 100 Menschen protestierten gegen die drohende Hinrichtung von Sakineh Ashtiani © Susanne Keller
Gegen 100 Menschen protestierten gegen die drohende Hinrichtung von Sakineh Ashtiani © Susanne Keller

Iran Amnesty-Protest gegen die Hinrichtung von Sakineh Ashtiani

Amnesty International hat am 3. November in Bern gegen die drohende Hinrichtung der Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani protestiert. Rund hundert Aktivistinnen und Aktivisten zündeten Solidaritätskerzen an und zeigten Fotos der 43-jährigen Frau, die ein iranisches Gericht 2006 wegen «Ehebruchs» zum Tod verurteilt hatte. Neu bekannt geworden ist, dass sowohl ihr Sohn als auch ihr Anwalt inhaftiert worden sind . Amnesty fordert ihre unverzügliche Freilassung.

Die Amnesty-Aktion in Bern war ein Teil von weltweiten Protesten. Diese sollen den Druck auf die iranischen Behörden erhöhen, damit die Hinrichtung von Sakineh Mohammadi Ashtiani ausgesetzt und ihr Todesurteil aufgehoben wird. Amnesty International ruft die iranischen Behörden auf, sie umgehend freizulassen, falls Sakineh Mohammadi Ashtiani nur aufgrund von einvernehmlichen Sexualkontakten im Gefängnis sitzt.

Amnesty International befürchtet, dass die Hinrichtung der 43-jährigen Sakineh Mohammadi Ashtiani, Mutter zweier Kinder, kurz bevor stehen könnte. «Vielleicht ist Sakineh Mohammadi Ashtiani nur noch wegen der weltweiten Mobilisierung am Leben. Wir müssen jeden Tag damit rechnen, dass sie durch den Strang hingerichtet wird», erklärte Patrick Walder, Kampagnenverantwortlicher bei der Schweizer Sektion von Amnesty International. «Deshalb ist es entscheidend, den Druck von Menschenrechtsorganisationen und anderen Staaten auf die iranischen Behörden aufrecht zu erhalten, bis das Todesurteil ein für alle Mal aufgehoben wird.»

Sohn und Anwalt ebenfalls in Haft

Am 1. November bestätigten die iranischen Behörden, dass der Anwalt, Javid Houtan Kiyan, am 10. Oktober verhaftet worden sei. Gegen ihn laufe ein Verfahren wegen Kontakten zu „anti-revolutionären Gruppen“ im Ausland. Amnesty International hat ausserdem Berichte erhalten, wonach Sajjad Ghaderzadeh, der Sohn von Sakineh Ashtiani, ebenfalls inhaftiert wurde. Der Sohn und der Anwalt sollen zusammen mit zwei Deutschen verhaftet worden sein, als diese ein Interview mit ihnen führen wollten. Die iranischen Behörden bestätigten zwar die Verhaftung des Anwalts und der beiden Deutschen, gaben aber keine Angaben über den Verbleib des Sohnes.

«Wir glauben, dass der Sohn und der Anwalt von Sakineh Ashtiani nur verhaftet wurden, weil sie sich gegen die Hinrichtung von Sakineh Ashtiani eingesetzt haben und weil sie auf ihre Notlage aufmerksam machen wollten», erklärt Patrick Walder von Amnesty International. Da sie als Gewissensgefangene zu betrachten seien, fordert Amnesty International die unverzügliche Freilassung der beiden sowie von all jenen, die aus ähnlichen Gründe inhaftiert sind.

Wegen «Ehebruchs» zum Tod verurteilt

Sakineh Mohammadi Ashtiani wurde 2005 im Zusammenhang mit der Ermordung ihres Ehemannes inhaftiert und erhielt zehn Jahre Haft wegen «Beihilfe zum Mord». Im September 2006 verurteilte sie ein Gericht zudem für «Ehebruch» zum Tod durch Steinigung, obwohl Sakineh Mohammadi Ashtiani ausgesagt hatte, dass sie zur ihrem «Geständnis» gezwungen wurde. Auf internationale Proteste hin kündigten im September 2010 die iranischen Behörden an, dass die Steinigung von Sakineh Mohammadi Ashtiani «gestoppt» worden sei. Ihr droht jedoch weiterhin die Hinrichtung durch den Strang.

Seit August 2010 darf Sakineh Mohammadi Ashtiani keine Besuche mehr empfangen, weder von ihren Kindern noch von Anwälten.

 

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Medienmitteilung veröffentlicht: 3. November 2010, aktualisiert am 4. November 2010
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