Golrokh Ebrhaimi Iraee und ihr Ehemann Arash Sadeghi. © Privat
Golrokh Ebrhaimi Iraee und ihr Ehemann Arash Sadeghi. © Privat

Golrokh Ebrahimi Iraee Iranische Autorin wurde freigelassen, Mann in Lebensgefahr

4. Januar 2017
Die Autorin und Menschenrechtlerin Golrokh Ebrahimi Iraee ist am 3. Januar 2017 auf Kaution aus einem Gefängnis in Teheran entlassen worden. Ihr Mann Arash Sadeghi hat seinen Hungerstreik beendet, bleibt aber in Haft. Sein Gesundheitszustand ist kritisch. Beide wurden nur deshalb inhaftiert, weil sie frei und friedlich ihre Meinung geäussert hatten.

Der Gesundheitszustand von Arash Sageghi hat sich sehr verschlechtert. Die iranischen Behörden bringen sein Leben in Gefahr, indem sie einen Transfer in ein Spital am 3. Januar 2017 gemäss verlässlichen Quellen verweigert hatten. Der inhaftierte Menschenrechtsverteidiger Arash Sadeghi befand sich seit dem 24. Oktober 2016 im Hungerstreik. Er protestierte damit gegen die Inhaftierung seiner Ehefrau Golrokh Ebrahimi Iraee. Die Menschenrechtsverteidigerin kam in Haft, weil sie eine fiktive Geschichte zum Thema Steinigung geschrieben hatte.

«Die Überweisung in ein Spital zu verweigern ist eine grausame und entwürdigende Massnahme», sagt Philip Luther, Leiter Recherche und Advocacy für den Nahen Osten und Nordafrika bei Amnesty International. «Er befindet sich in einem sehr kritischen Zustand und benötigt dringend spezielle medizinische Hilfe, damit sein Leben gerettet werden kann. Die iranischen Behörden spielen mit seinem Leben und ignorieren internationales Recht.» Am 4. Januar wurde Sadeghi in die Krankenstation des Gefängnisses gebracht, nachdem ihm übel wurde und er Blut husten musste. Das Personal der Krankenstation kann nur einfache medizinische Massnahmen anwenden, ernsthafte medizinische Fälle müssen aber in medizinische Einrichtungen ausserhalb des Gefängnisses verlegt werden. Arash Sadeghi wurde jedoch wieder in seine Zelle gebracht, nachdem ihm Medikamente gegen Übelkeit und Schmerzen verabreicht wurden.

Arash Sadeghi, der aufgrund seines menschenrechtlichen Engagements eine 15-jährige Haftstrafe verbüssen muss, ist seit Juni 2016 im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran. Seine Frau Golrokh Ebrahimi Iraee wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Eine der Anklagen lautete «Beleidigung islamischer Heiligtümer». Am 24. Oktober brachen StaatsbeamtInnen mit Gewalt ihre Haustür auf und nahmen sie mit der Begründung fest, sie müsse nun ihre Haftstrafe antreten. Ihr Schuldspruch steht in Zusammenhang mit einer nicht veröffentlichten fiktiven Geschichte, die sie über die Praxis der Steinigung geschrieben hatte. In der Geschichte beschreibt sie die Gefühle der Protagonistin, die den Film «The Stoning of Soraya M» sieht und darüber so aufgebracht ist, dass sie eine Ausgabe des Korans verbrennt. Der Film «The Stoning of Soraya M» erzählt die wahre Geschichte einer jungen Frau, die wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt wird.

Unfaire Verfahren

Arash Sadeghi und Golrokh Ebrahimi Iraee wurden beide in einem unfairen Verfahren, das aus nur zwei Anhörungen bestand, verurteilt. Sie hatten während der Verhandlung keine anwaltliche Vertretung. Nach weltweitem öffentlichem Druck eröffneten die iranischen Behörden am 31. Dezember 2016, dass sie das Ehepaar gegen Kautionssummen von umgerechnet rund 300‘000 Franken für Arash Sadeghi und 150’000 Franken für Golrokh Ebrahimi Iraee temporär aus der Haft entlassen würden. Am Tag darauf sagte der Anwalt des Paars, dass die Kaution für die Autorin aufgebracht worden sei.

«Die Freilassung von Golrokh Ebrhaimi Iraee ist begrüssenswert, aber schon lange überfällig. Weder sie noch ihr Mann Arash Sadeghi hätten überhaupt hinter Gitter gesteckt werden dürfen. Sie wurden festgenommen und wie Kriminelle behandelt, obwohl sie lediglich von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, friedlich ihre Meinung zu äussern und sich für die Menschenrechte einzusetzen. Arash Sadeghis Gesundheitszustand hat sich dramatisch verschlechtert. Die Behörden müssen dafür sorgen, dass er sämtliche medizische Versorgung erhält, die er benötigt», kommentierte Nassim Papayianni, Iran-Expertin von Amnesty International, die jüngsten Ereignisse.

 

 

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