Wie diese junge Frau protestierten viele Frauen gegen die Hijab-Gesetze, indem sie ihr Kopftuch als Fahne an einen Stock binden. 	© White Wednesdays Campaign
Wie diese junge Frau protestierten viele Frauen gegen die Hijab-Gesetze, indem sie ihr Kopftuch als Fahne an einen Stock binden. © White Wednesdays Campaign

Iran Verstärkte Angriffe der Sittenwächter gegen Frauen

12. März 2'19
Iranerinnen, die sich dem Zwang «zum korrekten Tragen des Kopftuchs» widersetzen, werden von den so genannten Sittenwächtern immer brutaler angegriffen. Die zunehmende Aggressivität ist auch eine Reaktion auf eine Kampagne von Frauenrechtlerinnen, die die Angriffe filmten und die Videos ins Internet stellten.

Frauen im Iran werden auf der Strasse routinemässig von der Moralpolizei nach dem Zufallsprinzip angehalten, beleidigt und bedroht. Ihnen wird befohlen, ihr Kopftuch nach vorne zu ziehen und ihr Make-up abzuwischen. Frauen werden oft auch körperlich angegriffen: So wurde ihnen ins Gesicht geschlagen, man hieb mit Schlagstöcken auf sie ein oder fesselte sie und warf sie in Polizeiwagen.

In den letzten Wochen wurde in den sozialen Medien Videos gezeigt, die diese täglichen Schikanen und gewalttätigen Angriffe gegen  Frauen im Iran durch die Moralpolizei und durch regierungsnahe Bürgerwehren dokumentieren.  Sie zeigen, wie Mitglieder der Moralpolizei auf gewalttätige Weise gegen Frauen vorgingen, die sich dem gesetzlichen Zwang zum «korrekten Tragen des Kopftuchs (Hijab)» widersetzten.

Brutale Reaktion auf Kampagne

In den Videos sieht man Mitglieder der Moralpolizei, welche manchmal in Uniform, oft auch in zivil, Frauen im Namen der «Verteidigung der öffentlichen Moral» gewaltätig angreifen. Die Täter scheinen dabei immer weiter zu gehen. Offenbar ist dies eine Reaktion auf die Videos der Frauen, die solche Gewalttaten filmten und in sozialen Medien teilten.

Die zunehmende Aufmerksamkeit für die Angriffe auf Frauen, die sich gegen Gesetze über erzwungene Hijab wehren, wurde von den staatlichen Medien mit einer abschreckenden Schmierenkampagne gegen die Frauenrechtlerinnen beantwortet. «Wir haben grosse Sorge, dass die iranischen Behörden diese Angriffe verstärken, um die Frauen zum Schweigen zu bringen», sagte Philip Luther. «Millionen iranischen Frauen wird das Recht verweigert, mit Würde behandelt zu werden und ihren Alltag zu führen, ohne Gewalt oder Belästigung zu fürchten.»

«Die Hijab-Gesetze des Iran sind nicht nur zutiefst erniedrigend und diskriminierend, sie werden nun auch benutzt, um die gewalttätigen Übergriffe auf Frauen und Mädchen auf der Strasse zu rechtfertigen», so Philip Luther, Research und Advocacy Director von Amnesty International im Nahen Osten und in Nordafrika.

Kreative Widerstandsformen

Iranische Frauenrechtlerinnen haben diese Vorfälle mutig im Rahmen der «My Camera My Weapon»-Kampagne gefilmt. Die Videos wurden von der prominenten iranischen Journalistin und Frauenrechtlerin Masih Alinejad in den USA veröffentlicht. Masih Alinejad hat bereits eine Reihe von Online-Kampagnen gegen den Zwang zum Tragen eines Hijab durchgeführt. Zu diesen gehört auch «My Stealthy Freedom», eine Facebook-Seite, auf der Frauen im Iran ermutigt werden, Fotos von sich selbst ohne Kopftuch zu veröffentlichen. Die Kampagne «White Wednesday» wiederum fordert die Frauen auf, gegen erzwungene Hijab-Gesetze zu protestieren, indem sie jeden Mittwoch weisse Kopftücher trägt.

Die Hijab-Gesetze des Iran stellen eine eklatante Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäusserung und Religionsfreiheit sowie des Rechts auf Privatsphäre dar. Frauen und Mädchen dürfen im Iran ihrer Häuser nur mit Hijab und bedeckten Arme und Beinen verlassen. Nach iranischem Recht können Frauen und Mädchen im Alter ab neun Jahren, die ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit gesehen werden, mit einer Freiheitsstrafe von 10 Tagen bis zwei Monaten oder einer Geldstrafe bestraft werden. In der Praxis haben die iranischen Behörden auch schon siebenjährige Mädchen gezwungen, den Hijab zu tragen.

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