Porträtfotos von Kindern und Jugendlichen, die während der Proteste im Iran im November 2019 getötet wurden. © AI
Porträtfotos von Kindern und Jugendlichen, die während der Proteste im Iran im November 2019 getötet wurden. © AI

Iran Mindestens 23 Minderjährige bei den Protesten im November 2019 getötet

04. März 2020
Eine Untersuchung von Amnesty International hat aufgedeckt, dass bei den Protesten im Iran im November 2019 mindestens 23 Kinder starben. Die Kinder, 22 Jungen und ein Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren, wurden von Sicherheitskräften getötet, die mit scharfer Munition gegen Protestierende und PassantInnen vorgingen.

Im neuen Kurzreport «They shot our children – Killing of minors in Iran’s November 2019 protests» zeigt Amnesty die Fälle auf. Die Menschenrechtsorganisation hat Videos und Fotografien untersucht, Todeszertifikate und Beerdigungsdokumente eingesehen sowie mit AugenzeugInnen und Verwanden der Kinder gesprochen. Dazu hat Amnesty Informationen von MenschenrechtsaktivistInnen und JournalistInnen gesammelt.

Mindestens 22 der Kinder wurden von Sicherheitskräften in verschiedenen Städten des Landes erschossen. 10 der Opfer starben aufgrund von Schusswunden in Kopf und Oberkörper, ein klares Indiz dafür, dass die Sicherheitskräfte schossen um zu töten. In einem Fall ist noch nicht definitiv geklärt, ob das Opfer durch Schläge auf den Kopf oder durch das Abfeuern von Schrottkugeln aus nächster Nähe starb.

«In den letzten Monaten zeichnete sich ein immer klareres Bild ab von der Gewalt, mit der die iranischen Sicherheitskräfte vorgegangen sind, um die Proteste niederzuschlagen. Der Schock, dass unter den Todesopfern auch Kinder sind, ist jedoch gross.» sagt, Philip Luther, Direktor für Research im Mittleren und Nahen Osten. Amnesty International fordert, dass diese Todesfälle müssen umgehend von einer unabhängigen Kommission untersucht werden und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Mehr Informationen in Englisch

Hintergrund

Am 15 November 2019 gingen im Iran Tausende von Menschen auf die Strasse, um gegen eine von der Regierung angekündige Benzinpreiserhöhung zu protestieren. Amnesty berichtete, dass bei diesen Demonstrationen mindestens 304 Personen umgebracht und tausende verletzt wurden. Seit den Protesten wurden zudem Tausende von Personen willkürlich verhaftet oder sind «verschwunden».