Die Menschenrechtsverteidigerin und Anwältin Nasrin Sotoudeh. © privat
Die Menschenrechtsverteidigerin und Anwältin Nasrin Sotoudeh. © privat

Briefaktion Iran: Nasrin Sotoudeh in Gefahr

5. Oktober 2020
Die Gesundheit der inhaftierten Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh ist in Gefahr, nachdem die iranischen Behörden sie aus dem Krankenhaus zurück ins Gefängnis gebracht haben.

Am 10. August 2020 trat die 57-jährige, unrechtmässig inhaftierte Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh in den Hungerstreik, um gegen den fortgesetzten Missbrauch des Strafjustizsystems durch die iranischen Behörden zu protestieren. Diese weigern sich unter anderem politische Gefangene freizulassen.

Als Nasrin Sotoudehs Gesundheit sich aufgrund des Hungerstreiks dramatisch verschlechtert hatte, wurde sie am 19. September 2020 ins Krankenhaus gebracht. Ihr Ehemann von , Reza Khandan, teilte auf Twitter mit, dass sie sich in «miserablem Zustand» befinde und an einer Herzrhythmusstörung, schwachem Blutdruck und derartiger Kurzatmigkeit leide, dass sie keine vollständigen Sätze sprechen könne.

Nachdem Nasrin Sotoudeh am 23. September in das Evin-Gefängnis zurückgebracht wurde, sagte sie am Telefon, dass sie laut den ÄrztInnen, die sie im Krankenhaus behandelt hatten, einen medizinischen Eingriff an ihrem Herz benötige. Trotzdem wird sie jetzt in der Quarantänestation des Frauentrakts im Evin-Gefängnis festgehalten.

Die Familie erhielt keinen Einblick in die Patientinnenakte und durften nicht mit den behandelnden ÄrztInnen sprechen. Die unzureichenden Informationen rund um die Diagnose von Nasrin Sotoudeh steigert die Sorge ihrer Familie um ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen noch zusätzlich.

Hintergrund

Nasrin Sotoudeh wurde in zwei unfairen Gerichtsverfahren 2016 und 2018 zu insgesamt 38 Jahren und sechs Monaten Haft sowie zu 148 Stockhieben verurteilt. Die Grundlage der Verurteilung war ihre friedliche Menschenrechtsarbeit, darunter die Widersetzung gegen die missbräuchlichen, erniedrigenden und diskrimierenden Verschleierungsgesetze und die Todesstrafe im Iran.  Die Menschenrechtlerin und ihre Familie sind immer wieder Vergeltungsmassnahmen und Schikanen ausgesetzt, darunter die kürzliche Festnahme ihrer Tochter Mehraveh Khandan am 17. August 2020 und die Sperrung ihrer Bankkonten.