Verschleierte Frauen in Jemens Hauptstadt Sana'a © AP/PA Photo/Kamran Jebreili
Verschleierte Frauen in Jemens Hauptstadt Sana'a © AP/PA Photo/Kamran Jebreili

Jemen Gewalt gegen Frauen und Mädchen

29. März 2010
Fatima Hussein Badi wurde mit grausamen Methoden zum Geständnis eines Mordes gezwungen, den sie laut dem obersten jemenitischen Gerichtshof gar nicht begangenen hat. Ihr droht die Hinrichtung. Wie Fatima Hussein Badi werden viele Mädchen und Frauen im Jemen Opfer von Gewalt und Diskriminierung.

Fatima Hussein Badi und ihr Bruder Abdullah wurden 2000 festgenommen und später wegen Mordes an Fatimas Ehemann angeklagt. Im September 2003 bescheinigte der oberste jemenitische Gerichtshof Fatima Hussein Badi, sie habe ihren Mann nicht umgebracht. Die 2001 verhängte Todesstrafe wurde in eine Haftstrafe von vier Jahren umgewandelt. Trotzdem sitzt sie noch immer in der Todeszelle; es droht ihr die Hinrichtung.

Um Fatima Hussein Badi zu einem «Geständnis» zu zwingen, führten ihr die Ermittler während der Verhöre ihren Bruder Abdullah mit blutverschmiertem Gesicht vor. Als man drohte, sie zu vergewaltigen, legte ihr Bruder ein «Geständnis» ab – wahrscheinlich um ihr dies zu ersparen. Während der Polizeiverhöre war kein Rechtsbeistand anwesend. Auch seit Verhandlungsbeginn durfte der Anwalt von Fatima Hussein Badi nicht an allen Sitzungen teilnehmen. Abdullah wurde 2005 hingerichtet.

Alltägliche Gewalt

Unzählige Frauen und Mädchen im Jemen erleben Tag für Tag Diskriminierung und Gewalt – mit verheerenden Folgen für ihr Leben. Die jemenitische Gesetzgebung, aber auch Bräuche und Traditionen stempeln sie zu Bürgerinnen zweiter Klasse.

Kein Gesetz schützt Frauen und Mädchen im Jemen ausdrücklich vor Gewalt. Das Strafgesetz verurteilt zwar physische Gewalt, erwähnt jedoch weder häusliche noch psychische Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Brauchtum und soziale Normen erlauben es zudem den Männern, ihre Frauen, Töchter und Schwestern zu schlagen.

Im Jemen ist es besonders in ländlichen Gegenden üblich, Jungen und Mädchen sehr früh zu verheiraten. Das Heiratsalter der Mädchen kann schon bei acht Jahren liegen. Die Folge: Die Mädchen gehen nicht mehr zur Schule, bleiben ohne Bildung und geraten so in die finanzielle und soziale Abhängigkeit ihrer Ehemänner. Frühe Schwangerschaften und Geburten stellen zudem ein hohes Gesundheitsrisiko für Mädchen dar.