Zerstörte Gebäude in Abyan. © Amnesty International
Zerstörte Gebäude in Abyan. © Amnesty International

Jemen Der Kampf um Abyan war eine Menschenrechtskatastrophe

Weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit kämpften eine Splittergruppe der Al-Kaida und die jemenitische Regierungsarmee von Februar 2011 bis Juni 2012 um die Kontrolle der Region Abyan im Süden des Landes. In einem neuen Bericht dokumentiert Amnesty International die massiven Menschenrechtsverletzungen im Zuge dieser Auseinandersetzungen und fordert eine unparteiische, sorgfältige und unabhängige Untersuchung.

Der Bericht «Conflict in Yemen: Abyan’s Darkest Hour» (englisch, 57 Seiten) dokumentiert die Menschenrechtsverletzungen, die von den Al-Kaida-Kämpfern und den Regierungstruppen während des bewaffneten Konfliktes zwischen Februar 2011 und Juni 2012 begangen worden sind. Beide Seiten haben grob und in höchstem Masse erschreckend gegen das humanitäre Völkerrecht verstossen.

Die Ansar Al-Scharia (Scharia-Partisanen) ist eine islamistische Terrorgruppe, die auf der arabischen Halbinsel operiert und sich der Al-Kaida zurechnet. Anfang 2011 griffen die bewaffneten Islamisten das Militär und Beamte der Regierung an, nachdem eine Protestwelle des jemenitischen Volkes gegen den Präsidenten Ali Abdullah Saleh von Regierungstruppen brutal niedergeschlagen worden war. Die Kaida-Kämpfer raubten Banken aus und plünderten Munition, schwere Waffen und Kriegsgerät von verlassenen Armee- und Polizeiposten. Bereits Mitte 2011 kontrollierte die Ansar Al-Scharia die meisten Städte und Dörfer in Abyan, sowie die Bezirkshauptstadt Zinjibar.

In dem Amnesty-Bericht werden die schrecklichen Menschenrechtsverletzungen im Detail aufgelistet, die unter der Herrschaft der islamistischen Terrorgruppe über den Regierungsbezirk Abyan und anderen Gebieten im Südjemen zwischen Februar 2011 und Juni 2012 begangen worden sind. Die Gruppe etablierte in dieser Zeit sogenannte Religionsgerichte, die für öffentliche Hinrichtungen, Amputationen, Steinigungen, Auspeitschungen und andere grausame Menschenrechtsverletzungen verantwortlich waren.

Mit Luft- und Artillerieangriffen gelang es der jemenitischen Regierungsarmee im Mai und Juni 2012, Ansar Al-Scharia aus der Stadt Abyan und ihrer Umgebung zu verdrängen. Durch den Einsatz solch schwerer Waffen in dicht besiedelten Wohngebieten kamen zahlreiche Zivilpersonen, unter ihnen auch zahlreiche Kinder, ums Leben.

Die tödliche Mischung aus Kämpfen und Menschenrechtsverletzungen führte dazu, dass rund 250‘000 Menschen aus der Region geflüchtet sind. Obwohl die Al-Kaida Splittergruppe seit Juli 2012 aus dem Südjemen vertreiben ist, besteht jederzeit die Gefahr einer neuen bewaffneten Auseinandersetzung.

Medienmitteilung veröffentlicht: 4. Dezember2012
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