Amnesty untersuchte 13 Luftangriffe, bei denen insgesamt rund 100 Zivilpersonen - darunter 59 Kinder - getötet wurden. © AI
Amnesty untersuchte 13 Luftangriffe, bei denen insgesamt rund 100 Zivilpersonen - darunter 59 Kinder - getötet wurden. © AI

Kriegsverbrechen in Jemen Amnesty fordert Stopp von Waffenlieferungen

Medienmitteilung 7. Oktober, London/Bern – Medienkontakt
Amnesty fordert einen sofortigen Stopp von Waffenlieferungen an Länder der von Saudi-Arabien angeführten Anti-Huthi-Koalition. Mutmassliche Kriegsverbrechen sollen genau und von unabhängiger Stelle untersucht und die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Luftangriffe auf Wohngebiete, Schulen und Märkte, Zerstörung von Spitälern, Brücken und Strassen, Einsatz international geächteter Waffen: Dass die von Saudi-Arabien angeführte und von Ländern wie den USA mit Waffen ausgerüstete Koalition bei ihren flächendeckenden Bombardements in Jemen massive Kriegsverbrechen begangen hat, lässt sich längst kaum mehr von der Hand weisen.

«Der Bericht belegt mit vielen grauenvollen Details, wie wichtig es ist, dass keine Waffen mehr geliefert werden.»
Donatella Rovera von Amnesty International

Im neuen Bericht ‘Bombs fall from the sky day and night’: Civilians under fire in northern Yemen legt Amnesty International eine genauere Untersuchung von 13 Luftangriffen vor, bei denen insgesamt rund 100 Zivilpersonen, darunter 59 Kinder getötet wurden. Dokumentiert wird auch der Einsatz von Streubomben.

Beweise für Kriegsverbrechen

«Dieser Bericht liefert noch mehr Beweise für rechtswidrige Luftangriffe, die von der Koalition unter Führung von Saudiarabien begangen worden sind. Einige davon sind ziemlich sicher Kriegsverbrechen», so Krisenexpertin Donatella Rovera von Amnesty International, unter deren Leitung die Untersuchungsmission der Menschenrechtsorganisation stand: «Der Bericht belegt mit vielen grauenvollen Details, wie wichtig es ist, dass keine Waffen mehr geliefert werden, mit denen derart schwere Menschenrechtsverletzungen begangen werden.»

«Die USA und andere Staaten, die den verschiedenen Konfliktparteien in Jemen Waffen liefern, müssen gewährleisten können, dass Waffenlieferungen, die sie bewilligen, nicht zu schweren Verletzungen des humanitären Völkerrechts beitragen.»

Amnesty International fordert einen sofortigen Stopp aller Lieferungen an Mitglieder der von Saudiarabien angeführten Koalition, die in die Militäroffensive involviert sind, von Waffen und Munition, mit denen in Jemen Verletzungen des Kriegsvölkerrechts bis hin zu Kriegsverbrechen begangen worden sind:  Dazu gehören namentlich Bomben vom Typ MK (MARK) 80 und andere Allzweckbomben, Kampfjets, Kampfhelikopter und deren Bestandteile. 

Ganze Städte zu Kriegszielen erklärt

Die im Bericht dokumentierten Luftangriffe betrafen das Gouvernement Saada im Nordwesten von Jemen. Deren Hauptstadt Saada wurde massiver als jede andere Stadt in Jemen von den Bombardements der Koalition zerstört. Ohne Rücksicht auf das Leben der Zehntausenden von Bewohnerinnen und Bewohnern und in kompletter Missachtung des Völkerrechts wurden Saada und deren Nachbarstadt Marran in ihrer Gesamtheit zu Kriegszielen erklärt. In mindestens vier der untersuchten Angriffe wurden Häuser von Zivilpersonen mehrfach hintereinander bombardiert, obwohl offensichtlich war, dass sie nicht für militärische Zwecke verwendet wurden.

«Dass grosse, dicht bevölkerte Gebiete zu militärischen Zielen erklärt und Wohnhäuser mehrfach bombardiert wurden, beweist, wie wenig die Koalitionstruppen sich um die völkerrechtlich vorgeschriebenen Vorsichtsmassnahmen zur Verhinderung ziviler Opfer scheren.»

Einsatz verbotener Waffen

Das Team von Amnesty International fand unter anderem auch Überreste verschiedener Typen von Streubomben. Streubomben sind völkerrechtlich verboten. Ein Teil der Streumunition explodiert nicht sofort beim Aufprall und bleibt damit über lange Zeit eine tödliche Gefahr für alle, die mit ihnen in Kontakt kommen könnten.

Amnesty International fordert die Militärkoalition zum sofortigen Verzicht auf den Einsatz von Streubomben auf, und verlangt von allen Staaten einen sofortigen Stopp der Lieferung solcher Waffen.