© Colin Foo
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WM 2022 in Katar Die FIFA muss endlich handeln

Medienmitteilung 22. März 2021, London/Bern – Medienkontakt
Im Vorfeld der Qualifikationsrunde für die Fussballweltmeisterschaft 2022 in Katar fordert Amnesty International die FIFA auf, ihren Einfluss auf die katarischen Behörden geltend zu machen, um dem Missbrauch von Arbeitsmigrantinnen und -migranten ein Ende zu setzen.

In einem Brief an FIFA-Präsident Gianni Infantino ruft Amnesty die FIFA auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, drohende Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Turnier zu verhindern, zu mildern und zu beheben, und «ihren Einfluss in vollem Masse zu nutzen», um Katar dazu zu bringen, sein Programm für Arbeitsreformen vor Beginn der Weltmeisterschaft zu erfüllen. 

Gastarbeiter*innen leiden für die Weltmeisterschaft

Katar hat in den letzten Jahren zahlreiche positive Reformen auf den Weg gebracht, und damit zum Teil auf die erhöhte Aufmerksamkeit nach der Vergabe der Fussballweltmeisterschaft reagiert. Diese werden jedoch nur allzu häufig nur unzureichend umgesetzt, sodass Tausende von Arbeitsmigrant*innen nach wie vor ausgebeutet und missbraucht werden.

Drohender Rückschritt Katars

Kürzlich hat Katars Schura-Rat, eine beratende Versammlung, eine Reihe von Empfehlungen vorgelegt, die – sollten sie von der Regierung angenommen werden – einen Grossteil der durch die Reformen erzielten Fortschritte wieder zunichtemachen würden, u. a. durch die Wiedereinführung von Beschränkungen der Rechte von Gastarbeiter*innen, den Arbeitsplatz zu wechseln und das Land zu verlassen.  

«Diese Fussballweltmeisterschaft wäre ohne Arbeitsmigrant*innen schlicht nicht möglich. Das Leben vieler Gastarbeiter*innen in Katar ist aber weiter von Missbrauch und Ausbeutung geprägt», sagt Lisa Salza, Kampagnenverantwortliche bei Amnesty Schweiz.

«Als Ausrichterin der WM ist die FIFA nach internationalen Standards dafür verantwortlich, die mit dem Turnier verbundenen Menschenrechtsrisiken zu minimieren. Diese Woche beginnen schon die Qualifikationsspiele, was die Fifa daran erinnern sollte, dass das Zeitfenster, in dem sie Einfluss auf Katar nehmen kann, immer kleiner wird. Sie muss jetzt handeln, um sicherzustellen, dass die Weltmeisterschaft 2022 nicht gänzlich auf dem Buckel von ausgebeuteten Arbeitsmigrant*innen ausgetragen wird.»

Am 15. März hat Amnesty International die FIFA in einem Schreiben aufgefordert, ihren internationalen menschenrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Gemäss den Uno-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte muss die FIFA sicherstellen, dass die Menschenrechte bei der Organisation und Durchführung der Weltmeisterschaft geachtet werden, u. a. durch eine eigene, unabhängige und regelmässige Überwachung der WM-Projekte und -Standorte sowie durch die Wahrung der Sorgfaltspflicht, um Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Turnier zu erkennen und zu verhindern.

Insbesondere trägt die FIFA die Verantwortung dafür, dass für alle Schäden, die Arbeiterinnen und Arbeiter im Rahmen der bisherigen WM-Projekte erlitten haben, in Zusammenarbeit mit den katarischen Behörden und anderen relevanten Interessengruppen angemessene Abhilfe durch Rechtshilfe und Entschädigungen geschaffen wird.

«Die FIFA muss ihren Einfluss nutzen, um Katar dazu zu bewegen, bestehende Reformen unverzüglich umzusetzen und Vorschläge, den Gastarbeiter*innen ihre neu erworbenen Rechte zu nehmen, abzulehnen», so Steve Cockburn.

Auch Fussballfans sind aufgefordert, ihre Stimme zu erheben

Amnesty würdigt die Schritte, die von der FIFA in den letzten Jahren unternommen wurden, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Dazu gehörten beispielsweise die Veröffentlichung von Leitprinzipien zu Menschenrechtsfragen 2017 und einer gemeinsam mit Katar vorgelegten Nachhaltigkeitsstrategie für die Fussball-WM im Oktober 2019. Die FIFA hat sich dazu verpflichtet, ein «Vermächtnis erstklassiger Standards und Praktiken für die Arbeiter*innen in Katar und weltweit» zu hinterlassen, doch das anhaltende Problem schwerwiegender Arbeitsmissbräuche zeigt, dass es noch viel zu tun gibt. 

In der ganzen Welt rufen Ländersektionen von Amnesty International Fussballfans dazu auf, eine Petition zu unterzeichnen, in der die FIFA aufgefordert wird, mehr zu tun, um die Bedingungen für Gastarbeiter*innen zu verbessern, ohne die das Turnier gar nicht stattfinden könnte. In 27 Ländern hat Amnesty International im November 2020 auch die jeweiligen nationalen Fussballverbände aufgefordert, sich aktiv für die Rechte von Arbeitsmigrant*innen einzusetzen. Auch der Schweizerische Fussballverband wurde von Amnesty International kontaktiert.

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