Libyen Nach dem Tod von Gaddafi braucht Libyen Gerechtigkeit

20. Oktober 2011
Mit dem Tod von Muammar Gaddafi geht eine Ära von Folter und Unterdrückung in der Geschichte Libyens zu Ende. Das Kapitel ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Muammar Gaddafi Muammar Gaddafi © APGraphicsBank

«Die Epoche Gaddafi wird so lange andauern, bis die Vergangenheit vollständig aufgearbeitet ist und die Menschenrechte ein fester Bestandteil des libyschen Staates geworden sind», erklärte Hassiba Hadj Sahraoui, Direktorin für Nordafrika und den Nahen Osten von Amnesty International.

Trotz dem Tod von Gaddafi haben die Opfer seiner Herrschaft weiterhin ein Anrecht darauf, dass sich alle Täterinnen und Täter vor Gericht verantworten müssen. Viele Mitarbeitende von libyschen Behörden stehen unter Verdacht, an schweren Menschenrechtsverletzungen beteiligt gewesen zu sein. Dazu zählt das berüchtigte Massaker im Gefängnis Abu Salim 1996.

«Die neuen Machthaber in Libyen müssen mit der Kultur der Übergriffe und der Vergeltung brechen und dringliche Reformen für die Menschenrechte einleiten», sagte Hassiba Hadj Sahraoui.

Amnesty International hat den Nationalen Übergangsrat (NTC) aufgefordert, detaillierte Informationen über den Tod von Gaddafi zu veröffentlichen und diese Fakten der libyschen Bevölkerung zugänglich zu machen.

Die Menschenrechtsorganisation fordert zudem eine umfassende, unabhängige und unparteiische Untersuchung, welche die genauen Umstände des Todes von Gaddafi durchleuchtet.

Amnesty International ruft den Nationalen Übergangsrat (NTC) dazu auf, den engen Machtzirkel und Familienmitglieder von Gaddafi sowie weitere verdächtige Personen, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, human zu behandeln und faire Gerichtsverfahren zu garantieren.