Das Haus der Familie Gafez im libyschen Majer wurde bei einem Luftangriff der NATO am 8. August 2011 zerstört.  © AI
Das Haus der Familie Gafez im libyschen Majer wurde bei einem Luftangriff der NATO am 8. August 2011 zerstört. © AI

Nach dem NATO-Einsatz in Libyen Die vergessenen zivilen Opfer

19. März 2012
Zum Jahrestag der ersten Luftangriffe der NATO in Libyen am 19. März 2011 widmet Amnesty International den zivilen Opfern der Intervention einen Bericht. Libya: The forgotten victims of NATO Strikes dokumentiert 55 Fälle von Zivilpersonen, die bei Luftangriffen in Tripolis, Zlitan, Majer, Sirte und Brega umgekommen sind.

Die meisten durch die NATO verursachten zivilen Toten - darunter 16 Kinder und 14 Frauen - wurden in Privathäusern getroffen. Keines davon wurde gemäss Recherchen von Amnesty International für militärische Zwecke genutzt. Bis heute hat die NATO die genannten Fälle weder untersucht noch Kontakt mit Überlebenden oder Familienangehörigen der Opfer aufgenommen.

«Dass mehr als vier Monate nach dem Ende der Militärintervention die Opfer und die Angehörigen der Menschen, die bei den NATO-Luftangriffen ums Leben kamen, noch immer nicht genauer wissen, was passierte und wer dafür verantwortlich war, ist enttäuschend», sagt Donatella Rovero, leitende Expertin für Krisenarbeit bei Amnesty International.

Die NATO scheint grosse Anstrengungen unternommen zu haben, um zivile Opfer zu vermeiden. Das entbindet sie jedoch nicht von der Verantwortung, jene Vorfälle genauer zu untersuchen, bei denen Zivilpersonen ums Leben kamen oder verletzt wurden, und die Opfer und ihre Angehörigen zu entschädigen. In den Untersuchungen muss geprüft werden, ob bei den Angriffen Völkerrecht verletzt wurde. Falls dies bejaht wird, müssen die Verantwortlichen vor Gericht kommen.

Amnesty International fordert die NATO auf, umgehend eine unabhängige, vertiefte Untersuchung einzuleiten und die Opfer und ihre Familien zu entschädigen.