Gegen weitere Auspeitschungen von Raif Badawi protestierten rund 50 Personen in Bern. © AI
Gegen weitere Auspeitschungen von Raif Badawi protestierten rund 50 Personen in Bern. © AI

Raif Badawi Protest gegen Auspeitschung und Folter

16. Januar 2015, Bern
Mit einer Kundgebung und der Übergabe von über 9000 Unterschriften haben am 16. Januar in Bern 50 Personen gegen weitere Auspeitschungen und für die Freilassung von Raif Badawi protestiert. Die zweite Auspeitschung des Aktivisten wurde «aus gesundheitlichen Gründen» verschoben.

Zum zweiten Mal hätte am 16. Januar der Blogger und Menschenrechtsaktivist Raif Badawi in Saudi-Arabien öffentlich ausgepeitscht werden sollen. Die unmenschliche Bestrafung in Form einer weiteren «Ration» von 50 Hieben wurde allerdings kurzfristig «aus medizinischen Gründen» ausgesetzt: Die Wunden seien noch nicht genügend verheilt, als dass Badawi eine zweite Auspeitschung zu diesem Zeitpunkt überstehen würde, befand der Gefängnisarzt.

«Die Verschiebung der Auspeitschung aus gesundheitlichen Gründen beweist nicht nur die unglaubliche Brutalität dieser Strafe, sie unterstreicht auch nochmals deren Unmenschlichkeit», sagte Said Boumedouha, Nahost-Experte von Amnesty International. «Dass Raif Badawis Wunden zuerst verheilen sollen, damit er die grausame Strafe immer und immer wieder aushalten kann, ist makaber und empörend. Auspeitschungen dürfen unter keinen Umständen stattfinden.»

Kundgebung in Bern

Trotz allem sollen 950 weitere Peitschenhiebe in den nächsten 18 Wochen folgen. Auf Initiative von Privatpersonen und Amnesty-Mitgliedern haben in Bern 50 Personen auf dem Helvetiaplatz an einer Kundgebung gegen diese Folter protestiert und die sofortige Freilassung von Raif Badawi gefordert.

«Barbarei, Gesinnungsterror und Willkür haben in der heutigen Welt nichts mehr zu suchen», sagte der Initiant der Kundgebung, Roland Falk: «Umso wichtiger ist es, dass jeder Einzelne, jede Einzelne sich dagegen einsetzt!»

«Raif Badawi wurde allein aufgrund seiner friedlichen Meinungsäusserung auf dem Internet verurteilt», erinnerte Christine Heller, Kampagnendirektorin von Amnesty International Schweiz. «Wir stehen aber auch hier, um unsere Solidarität mit Raif und seiner Familie, seiner Frau Ensaf Haidar und seinen drei Kindern auszudrücken.»

Übergabe von über 9000 Unterschriften

Eine Delegation begab sich anschliessend zur Botschaft von Saudi-Arabien und übergab dort Briefe und 9082 Unterschriften, die in den letzten Wochen von Amnesty International gesammelt worden waren. Die Unterschriftensammlung geht weiter.

Derweil breitet sich der weltweite Protest aus: In Kanada, Brasilien, Australien, Neuseeland, Finnland, Spanien, Italien, den Niederlanden, Deutschland und weiteren Ländern haben Amnesty-Sektionen Strassenaktionen organisiert. Auch der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte und der Schweizer Bundesrat fordert von Saudi-Arabien die Einstellung der Prügelstrafe.

Der Protest wird weiter gehen, bis Saudi-Arabien von der Auspeitschung von Raif  Badawi und von der Prügelstrafe generell absieht.