Auch in Aleppo feuerten Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Demonstrierende © Amnesty International
Auch in Aleppo feuerten Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Demonstrierende © Amnesty International

Syrien - Aleppo Von der umfassenden Repression zum bewaffneten Konflikt

Medienmitteilung veröffentlicht: 1. August 2012, London / Bern. Medienkontakt
Die militärische Offensive der syrischen Regierungstruppen in Aleppo ist der Kulminationspunkt monatelanger brutaler Repression gegen Demonstrierende und Oppositionelle, die Amnesty im Mai 2012 bei Ermittlungen vor Ort dokumentierte. In einem neuen Bericht werden die Ergebnisse zusammengefasst.

Der Bericht All-Out Repression (pdf, 37 Seiten) basiert auf einer Ermittlungsmission der Amnesty-Krisenberichterstatterin Donatella Rovera in Aleppo Ende Mai 2012 und stützt sich auf zahlreiche Interviews mit Angehörigen von Getöteten, Gefolterten und Verschwundenen sowie mit Frauen und Männern, die an Demonstrationen teilgenommen haben. Rovera wurde dabei selbst Zeugin des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte.

Die Aussagen der Gesprächspartnerinnen und -partner zeigen dieselben erschreckenden Muster der Repression, wie sie Amnesty und andere Organisationen aus anderen Gegenden des Landes kennen: Auch in Aleppo feuerten Sicherheitskräfte und Angehörige der berüchtigten Shabiba-Miliz wahllos auf Demonstrierende, Passanten und Passantinnen. Verwundete wurden getötet, Gefangene routinemässig gefoltert und Sanitäter an der Hilfeleistung für Verwundete gehindert. Familien wurden gezwungen, unterschriftlich zu bestätigen, dass ihre Angehörigen von «terroristischen Banden» erschossen worden sind.

Aufgrund ihrer Ermittlungen kommt Amnesty International zum Schluss, dass die syrische Regierung für schwerste systematische Menschenrechtsverletzungen bis hin zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich ist. Umso stossender ist es, dass der Uno-Sicherheitsrat sich bis heute nicht auf eine Resolution einigen konnte, die den Internationalen Strafgerichtshof beauftragt, zu den Verbrechen in Syrien zu ermitteln. Auch fordert Amnesty International weiterhin eine Menschenrechts-Beobachtungsmission in Syrien.