Einschlagort  in Aleppo, an dem 117 Menschen starben - 22. Februar 2013  © Amnesty International
Einschlagort in Aleppo, an dem 117 Menschen starben - 22. Februar 2013 © Amnesty International

Syrien Aktuelle Amnesty-Recherchen belegen erneut Kriegsverbrechen auf beiden Seiten

Zwei Jahre nach Beginn des friedlichen Protests gegen die Regierungspolitik in Syrien ist das Land noch immer in einen blutigen Konflikt verstrickt. Zwei neue Amnesty-Berichte belegen, dass es in Syrien weiter zu Kriegsverbrechen von beiden Seiten kommt.

Regierungstruppen setzen willkürlich Streubomben und Raketen gegen Zivilpersonen ein und machen ganze Wohngegenden dem Erdboden gleich. Berichte über Folter, Geiselnahmen und Hinrichtungen von Gefangenen durch Rebellen nehmen zu. «Hunderte Menschen kamen in den letzten zwei Wochen bei solchen Angriffen ums Leben. Ganze Familien wurden ausgelöscht. Unter den Opfern sind auch viele Kinder», so Reto Rufer, Syrien-Experte der Schweizer Sektion von Amnesty International.

Wie Amnesty-Untersuchungen belegen, setzt die Regierung noch immer international verbotene Waffen gegen die zivile Bevölkerung ein. Die Amnesty-Ermittlerin fand Anfang März in Aleppo neun Streubomben in der Nähe einer dicht besiedelten Wohnsiedlung. Bei dem Angriff wurden mindestens zwölf Menschen getötet, auch Kinder. Wie immer nach solchen Attacken blieben auch Bomben liegen, die noch nicht detoniert sind. Sie stellen auch weiterhin eine tödliche Gefahr dar, besonders für spielende Kinder.

Obwohl die Regierungstruppen für die grosse Mehrheit der Kriegsverbrechen und anderer Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, belegen die aktuellen Amnesty-Recherchen auch eine Eskalation der Gewalt auf Seiten der oppositionellen Gruppen. «Immer häufiger kommt es zu Geiselnahmen. Gefangene Zivilisten, aber auch Soldaten und Angehörige der regierungstreuen Milizen werden gefoltert und bei Massenhinrichtungen getötet», so Reto Rufer. Zeugen berichteten beispielsweise von einem Massengrab im Süden von Damaskus, in dem die Leichen von hingerichteten Regierungssoldaten und angeblichen Informanten verscharrt wurden.

Amnesty International fordert die Uno auf, den Internationalen Strafgerichtshof umgehend mit der Untersuchung dieser Verbrechen zu beauftragen. «Durch ihre Untätigkeit sendet die internationale Gemeinschaft ein verheerendes Signal an die Täter wie auch an die Opfer der grausamen Kriegsverbrechen in Syrien und legitimiert Gewalt und Menschenrechtsverletzungen als Mittel zur Durchsetzung von Interessen. Alle Verantwortlichen müssen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden!», so Rufer.

Medienmitteilung veröffentlicht: London/Bern, 14. März 2013
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